„A Road not Taken“ – Vom Scheitern einer Energiewende
Mal ganz ehrlich: Hätten Sie gewusst, welcher Regierungschef schon 1979 Sonnenkollektoren auf seinem Amtssitz installieren ließ? Es war Jimmy Carter, damals seit kurzer Zeit Herr im Weißen Haus. Der Dokumentarfilm „A Road not Taken“ von Christina Hemauer und Roman Keller zeichnet seinen Versuch einer Energiewende in den USA nach. Und zeigt das Scheitern dieses Versuchs, dessen stumme Zeugen zwei fast vergessene Solarpaneele sind – die Hauptdarsteller dieses Films.
Einen aktuelleren Bezug kann ein Dokumentarfilm über das Ende der 70er Jahre wohl kaum haben: Ein hochentwickeltes Industrieland muss zur Kenntnis nehmen, dass sein bisheriges Energiekonzept nicht zukunftsfähig ist. Ende der 70er Jahre erkennt die US-Regierung unter Jimmy Carter, dass die Öl- und Gasvorräte der USA tatsächlich endlich sind und die USA sich von Öl-Importen unabhängig machen müssen. Im Jahr 2011 müssen Regierungen weltweit erkennen, dass das „Restrisiko“ einer Energieversorgung durch Atomkraftwerke tatsächlich ein Risiko ist. Was tun?
Vision von erneuerbaren Energien
Jimmy Carter setzte auf erneuerbare Energien, vor allem auf Sonnen- und Windenergie, und aufs Energiesparen. Bis zum Jahr 2050 sollte die gesamte Energieversorgung der USA auf erneuerbare Energien umgestellt sein. Er startete ein Forschungsprogramm für Solarenergie, gründete ein Energieministerium und belegte Gewinne der Ölkonzerne mit hohen Steuern. Symbolträchtig ließ Carter 32 Sonnenkollektoren auf dem Dach des Weißen Hauses installieren.
Endstation Museum
Zeitsprung. Im Jahr 2006 liegt ein Teil dieser Sonnenkollektoren verstaubt im Schuppen eines Colleges im Bundesstaat Maine. Ronald Reagan, der die Präsidentschaftswahlen 1981 gegen Carter nicht zuletzt dank großzügiger Unterstützung der Öl-Industrie gewann, kürzte Carters Energieprogramm um 90 Prozent und ließ die Solarpaneele vom Dach des Weißen Hauses wieder entfernen. Zwei der Sonnenkollektoren gehen in „A Road not Taken“ mit Christina Hemauer und Roman Keller auf die Reise: auf einem Pickup von Maine über Washington nach Atlanta, wo sie in die Sammlung des National Museum of American History bzw. des Carter Presidential Museum & Library aufgenommen werden.
Der Film montiert Bilder dieser Fahrt mit Rückblenden in die USA der 70er Jahre, in die Zeit der Öl-Krise: endlose Autoschlangen vor amerikanischen Tankstellen, LKW-Fahrer, die wütend gegen zu hohe Benzinpreise protestieren und ein Präsident, der von den US-Bürgern drastisches Energiesparen fordert – und sich damit im Land der grenzenlosen Möglichkeiten keine Freunde macht. Der Film versucht, Gründe für das Scheitern von Carters Energiepolitik aufzuzeigen. Bürger, Solartechniker und politische Akteure von damals kommen zu Wort. Und Jimmy Carter – in Reden als Präsident und in einem Interview, das Hemauer und Keller im Jahr 2007 mit ihm führen konnten.
Was hatte Carter in seiner Rede zur Einweihung der Solaranlage auf dem Weißen Haus so vorausschauend gesagt? „Für die nachfolgende Generation kann diese Solaranlage entweder eine Rarität sein, ein Museumsstück, ein Beispiel für einen nicht eingeschlagenen Weg, oder sie kann Teil eines der größten und aufregendsten Abenteuer sein, das Amerikaner je unternommen haben.“
Energiewende verkehrt: Ende eines Öl-Bohrstopps
Und heute? Ende März 2011 hat Präsident Barack Obama eine Wende in der Energiepolitik vollzogen: Er will die US-Küste für Ölbohrungen freigeben. Jahrelang war dies in den USA heftig diskutiert worden; seit 20 Jahren galt aus Umweltschutzgründen ein Bohrstopp für diese Gegend. Allen voran hatte sich Obamas Vorgänger George W. Bush für Bohrungen vor Amerikas Küste eingesetzt, Obama hatte Bushs Pläne zunächst zurückgestellt. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr gibt denjenigen Recht, die es beim Bohrstopp belassen wollten. Nun aber gilt es vor allem, so scheint es, die amerikanische Wirtschaft anzukurbeln und von Ölimporten aus OPEC-Staaten unabhängig zu machen. Wie sich doch Geschichte wiederholen kann …
„A Road not Taken“ ist ein Film über einen von den USA nicht beschrittenen Weg, eine verpasste Chance – und in diesen Tagen zugleich eine Ermahnung, dass es endlich an der Zeit ist, den Weg erneuerbarer Energien weltweit zu gehen. Und zwar mit großen Schritten.
A Road not Taken ist am Freitag, 15.4.2011, um 18.15 Uhr in der Schauburg 2 zu sehen.
Birgit Pieplow
Quellen:
wdr.de: Vor 30 Jahren: Jimmy Carter legt Energie-Sparprogramm vor. Ein unbeschrittener Weg.
spiegel.de: Obama gibt US-Küste für Ölbohrungen frei.
Der Beitrag wurde am Dienstag, den 12. April 2011 um 16:11 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filme, WAS TUN? abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.
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