Warum tun wir nichts? – Zur Filmreihe „Age of Stupid“
„Age of Stupid“– provokativ, einfach und fast plakativ ist der Titel eines Films, den das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund|Köln zeigt. Er steht für eine ganze Reihe von Filmen, die sich kritisch mit dem Zeitalter befassen, in dem wir leben. Ein Thema, das gerade nach den Ereignissen der letzten Wochen und Monate besonders aktuell erscheint, aber eigentlich nie an Brisanz verlieren sollte. Bürgerkriege in Nordafrika, Tsunamis, die Atomkatastrophe in Fukushima – in Deutschland eine verfehlte Atompolitik. Die Nachrichten überschlagen sich, Newsticker im Wettlauf mit der Echtzeit. Eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die das Herz von Verschwörungstheoretikern und Endzeitpropheten höher schlagen lässt. Es fällt beinahe schwer, die Freunde der Apokalypse vollkommen zu ignorieren, die an die Maya-Prophezeiung vom Weltuntergang 2012 glauben.
In der globalen Welt sind Länder dicht miteinander vernetzt. Auswirkungen unseres Handelns oder unterlassenen Handelns haben weitreichende Folgen. Politische Entscheidungen, die bei uns getroffen werden, sind spürbar für Menschen auf anderen Kontinenten. Dank der globalen medialen Vernetzung werden wir alle zu Zeugen des Geschehens. Gravierende Missstände tun sich auf: eine beispiellose Zerstörung unseres Planeten, Klimaerwärmung, unwürdiger Umgang mit Menschen und Tieren, Unterstützung von Diktaturen, Pharmaindustrien, die sich lieber an den Krankheiten bereichern statt zu heilen, kurzfristige Gewinnmaximierung auf Kosten Anderer – all das aus reiner Profitsucht. Das große Paradoxon unserer Zeit liegt darin, dass uns, anders als zur Zeit der Industrialisierung, längst das Wissen und die Technologien zur Verfügung stehen, um beispielsweise eine intelligente, nachhaltige Energiepolitik umzusetzen, von der wir langfristig profitieren würden. Kaum jemand setzt sich mit der moralischen und ethischen Verantwortung, die jeder Erdenbürger trägt, wirklich auseinander. Umso wichtiger erscheinen gute Filme, die uns informieren, aufklären und sensibilisieren, die uns die Vielfalt der Welt aufzeigen, ihre Widersprüche und Komplexität näher bringen.
Dokumentarfilme können unbequeme Wahrheiten aufdecken und die Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam machen oder wie in dem Film There Once Was an Island aus der Reihe „Age of Stupid“ Ungehörten eine Stimme geben. In einem anderen Film aus dieser Reihe, Waste Land, geht es um Vorurteile gegenüber Menschen am Rande der Gesellschaft. Filme können ein weites Themenspektrum abdecken und uns in Welten mitnehmen, die einem sonst verschlossen blieben. Der Film A Road Not Taken ist ein Paradebeispiel für ungenutzte Chancen, in neue Technologien und natürliche Energiequellen zu investieren, wie in die Solarenergie. Stattdessen setzte man auf Öl und Atomenergie. Über Alternativen hat man sich jahrzehntelang aus reiner Profitgier nicht genügend Gedanken gemacht. Das Öl wurde zum neuen Gold, das immer knapper wurde. Seinetwegen werden Kriege geführt und Menschen getötet. Die Folgen globaler Erderwärmung sind nicht zu leugnen. Wir sind dabei, unseren Lebensraum zu zerstören.
Umweltkatastrophen wie das Reaktorunglück in Fukushima sind die Folgen jahrzehntelanger Politik der Ignoranz und Verschwendungssucht. Sie zwingen stolze Industrienationen in die Knie und sind eine Warnung für andere. Die Folgen dieses verfehlten Handelns sind verheerend und vermutlich teilweise irreversibel. Die Häufung und Intensität dieser Naturkatastrophen ermahnt und treibt Menschen in Deutschland auf die Straßen, um gegen die verlogene Atompolitik der Bundesregierung zu protestieren. Es bleibt zu hoffen, dass der Protest keine Eintagsfliege bleibt und der Druck, der von ihm ausgeht, eine wirkliche Wende hin zu einem verantwortungsvollen Handeln einleitet.
Die Zeit wird knapp und die Vision aus „Age of Stupid“ rückt immer näher. Wenn sich nichts ändert, werden wir uns am Ende die gleiche Frage stellen wie der Protagonist im Film: Warum haben wir nichts getan, als wir noch die Möglichkeit dazu hatten?
Adam Zapert
Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 13. April 2011 um 09:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter Filme, WAS TUN? abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.
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Am 13. April 2011 um 09:40 Uhr
Da wäre es doch toll, wenn auch Was Tun? für Alle keine Frage bleiben würde!
Viel Spass und Engagement auch weiter mit dem Blog, ich lese sehr begeistert mit und freue mich auf Diskussionen!
Am 13. April 2011 um 12:17 Uhr
Right on! WAS TUN? Weniger konsumieren und sich Billigflüge um die Ecke für 50 Pfennig schon mal sparen.
Am 14. April 2011 um 12:45 Uhr
Schön wäre wenn die Menschen ihr Geld eher als als Mittel zur Investition begreifen würden.
Investition in eine nachhaltige Markt- und Produktionswirtschaft.
Es war ja das Geld was die Welt zu dem gemacht hat was sie heute ist und der Konsument hat es durch sein Verbraucherverhalten in der Hand sie humanistisch zu gestalten.