Eine Zusammenarbeit von Studierenden der
Fachhochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund
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Melissa Silverstein: „Jeder soll sehen, dass es so viele gute Regisseurinnen gibt“

Melissa SilversteinMelissa Silverstein ist nicht nur die Stimme Amerikas zum Thema Frauen in der Popkultur und der Filmindustrie, sondern auch weit darüber hinaus. Mit ihrem Blog Women and Hollywood hat sie eine feministische Kommunikations-Plattform mit großer Resonanz geschaffen. Beim diesjährigen IFFF in Dortmund ist sie als Jurorin zu Gast. Im Interview spricht sie über Frauen an der Macht, die Reformbedürftigkeit des Feminismus und die fehlende Emanzipation von Männern.

Direkt aus New York ist sie gekommen, um beim diesjährigen IFFF dabei sein zu können. Das findet Melissa Silverstein gleich doppelt aufregend, denn es handelt sich um ihren ersten Deutschland-Aufenthalt überhaupt.

Wofür brauchen wir heute ein Frauenfilmfestival?

Es ist wichtig ein Festival zu haben, welches seinen Schwerpunkt auf Regisseurinnen legt, weil diese sich dort austauschen und über ihre Beiträge sprechen können. Wir wissen, dass Frauen gute Filme machen und wollen eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen. Im diesjährigen Line-Up der Filmfestspiele von Cannes z.B., sind von 19 Filmen nur 4 von Regisseurinnen gemacht. Mit diesen Festivals wollen wir das ändern.

Ihr Blog “Women And Hollywood” ist ein wichtiges Sprachrohr für Frauen im Film. Wie entstand die Idee? Warum “Frauen in Hollywood”?

Ich habe mich schon immer für die Popkultur, Hollywood und Filme interessiert. Dann fing ich an über Feminismus zu schreiben und konnte mit dem Thema Frauen in Hollywood eine neue Perspektive eröffnen. Der Begriff “Hollywood” ist sehr umfassend und einprägsam. Es ist deshalb ein guter Titel, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. In Hollywood sind Frauen in entscheidenden Positionen immer noch eine Minderheit, in allen Bereichen: Regisseurinnen machen nur einen Anteil von 7 % aus, 10 % der Drehbuchautoren und 23 % der Produzenten sind Frauen und nur 2 % sind Kamerafrauen.

In der Politik ändert sich langsam die Lage. Zur Zeit werden einige Länder von Frauen regiert. Wie wichtig sind Frauen an der Macht?

Es ist insofern wichtig, als dass es aufzeigt, dass Frauen genauso gut in führenden Positionen sind wie Männer. Unabhängig davon, ob sie konservativ oder liberal sind. Jede Frau ist anders. Wenn mehr Frauen an der Macht sind, werden sie nicht mehr zu Exoten und man hört auf sich zu sehr mit dem Geschlecht zu beschäftigen.

Ich möchte, dass es um die Inhalte geht, nicht um das Geschlecht, “Agenda not Gender”, und propagiere ein fortschrittliches, differenziertes Denken jenseits von Klischees. Angela Merkel ist für meinen Geschmack ein wenig zu konservativ.

Heute erscheint auch der “traditionelle Feminismus” etwas zu konservativ. Muss man immer noch mit den gleichen Mitteln kämpfen wie in den 70ern?

Nein, ich finde es gut, dass sich der Feminismus verändert. Warum sollten junge Frauen heute genau so kämpfen wie die älteren es früher taten. Dinge sollten sich entwickeln, verändern. Wir denken anders als in den 70ern. Ich bin sehr froh über den Fortschritt und den differenzierten Dialog, den wir heute führen.

Für welche Themen kämpft der Feminismus heute?

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, mehr Frauen in Führungspositionen und sexuelle Selbstbestimmung der Frau, also z.B. das Recht auf legale Abtreibung und Schwangerschaftsverhütung. Bei diesem Thema würde ich mir wünschen, dass wir weiter wären, weil sich dort bisher zu wenig verändert hat.

Ein anderes kontroverses Thema ist das Kopftuchtragen bei muslimischen Frauen. Per Gesetz verbieten oder nicht?

Menschen haben nun mal unterschiedliche religiöse Ansichten, aber ich denke, dass eine Frau nie ein Kopftuch tragen sollte. Es kann allerdings auch keine wirkliche Lösung des Problems sein, das Tragen eines Kopftuchs zu verbieten. Wenn es wirklich das ist, was diese Frauen wollen, ändern wir nichts damit. Man kann niemandem helfen, der es nicht selber will.

Auch Männern nicht sich zu emanzipieren? Denn darum geht es auch.

Nein, das müssen Männer selbst tun. Frauen haben es weit gebracht. Was Männer tun müssen, ist sich von alten Mustern der Rollenverteilung zu trennen. Was wir alle brauchen ist Gleichberechtigung. Das Problem ist z.B., dass obwohl oft Männer und Frauen bereits beide arbeiten, Frauen immer noch zusätzlich den Haushalt alleine machen. Männer sollten auch bereit sein mit ihren Kindern zuhause zu bleiben, ohne Angst zu haben dafür als Schwächlinge abgestempelt zu werden.

Was möchten Sie persönlich mit Ihrer Arbeit erreichen?

Mein Ziel ändert sich ständig, abhängig von aktuellen Ereignissen auf der Welt, und von der Resonanz auf meinen Blog. Der Blog ist eine Möglichkeit von Austausch und Kommunikation und kann Diskussionen anregen. Ich habe dort z.B. Interviews mit weiblichen Regisseurinnen veröffentlicht. Jeder soll sehen können, dass es so viele gute Regisseurinnen gibt.

Adam Zapert

Weitere Infos zu Melissa Silverstein auf unserem Blog: Die Alptraum-Fabrik: Melissa Silverstein im Vortrag

Info:
womenandhollywood.com

Der Beitrag wurde am Montag, den 18. April 2011 um 01:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter Porträts abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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