Ein Projekt von Studierenden der Studiengänge Online-Redakteur
an der FH Köln und Crossmedia-Redaktion an der HdM Stuttgart
Comic-Bild von zwei Schlafenden
 
 
Zurück zur Startseite

„Die Zukunft ist weiblich“ – Ein Interview mit Claudia Richarz

claudiaDie deutsche Regisseurin Claudia Richarz gehörte von Anfang an zum Internationalen Frauenfilmfestival, dessen Dortmunder Vorläufer-Festival damals noch unter dem Namen „femme totale“ lief. Sie hatte einen guten Draht zu den Festival-Macherinnen, der auch über die Jahre nicht abriss. Deshalb lässt sie es sich natürlich auch nicht nehmen, dieses Jahr erneut dabei zu sein. Wir haben ihr vorab ein paar Fragen zu ihrem Werdegang und ihrer Karriere gestellt.

Bereits 1980, im Alter von 25 Jahren, veröffentlichte Claudia Richarz ihren ersten Kurzfilm. Nur fünf Jahre davor kaufte sie sich ihren ersten Fotoapparat und merkte, dass ihr das Fotografieren unglaublich viel Spaß machte. Kurz darauf besuchte sie einen Foto-Kursus an der VHS in Bochum und bekam dadurch auch Kontakt zur dortigen Videoszene. Ihre Leidenschaft wurde geweckt und wenige Zeit später lernte sie Birgit Durbahn und Carl-Ludwig Rettinger, beide selbst in der Filmbranche tätig, auf einem Treffen des Freiburger Videoforums kennen. Schon nach kurzer Zeit war sie vom Film und der Fotografie so angetan, dass sie ihr Studium abbrach und einen neuen Weg einschlug. Sie zog nach Hamburg, war Mitgründerin von „bildwechsel“, einer Hamburger Organisation für die Frauen im Film, und begann ein neues Studium an der Hochschule für Bildende Künste.

Claudia Richarz’ persönliches Karriere-Highlight ist „Abnehmen in Essen“, eine 10-teilige Doku-Soap, die bei arte ausgestrahlt wurde. „Das war meine erste größere Arbeit, und sie hat mich richtig weitergebracht. Sowohl die Arbeit an sich als auch die Zusammenarbeit mit Carl-Ludwig Rettinger“, sagt Claudia Richarz. Rettinger war es auch, der anregte, dass Richarz bei dieser Serie selbst die Kamera führte. Seitdem liebt sie es hinter der Kamera zu stehen, obwohl sie keine ausgebildete Kamerafrau ist.

Gerade zu Beginn von Richarz’ Filmkarriere waren Frauen noch viel weniger vertreten als heute. Einen Grund dafür sieht die Regisseurin vor allem in den Arbeitsbedingungen im Medienbereich. „Es ist ein Problem, Mutterschaft und Beruf miteinander zu verbinden“, erklärt Richarz. „Auch die weibliche Sozialisation meiner Generation war keine gute Voraussetzung, um eine führende Rolle einzunehmen.“ Trotzdem schaffte sie es, sich zu etablieren. Das liegt wahrscheinlich auch an ihrem Perfektionismus, der sich durch ihr Leben zieht und vor allem in ihren Filmen spürbar ist. „Bei seiner Arbeit sollte man mit gar nichts schlampig umgehen. Besonders sorgfältig sortiere ich das gedrehte Material und halte es übersichtlich. Da habe ich viel von Gesa Marten gelernt“, erzählt Richarz. Gesa Marten ist freie Editorin und Mitbegründerin des Frauen-Dokumentarfilm-Netzwerks LaDoc in Köln. Natürlich gebe es gerade in der Filmszene oftmals sehr stressige Tage, hier sei es besonders wichtig, dass man aufmerksam, konzentriert und ruhig bleibe und vor allem nicht den Humor verliere. „Es ist wunderbar, wenn ein eigener Film von vielen Menschen gesehen wird und wenn er sie im besten Fall bereichert“, sagt sie.

Claudia Richarz gehört nun schon seit mehr als 30 Jahren zur Frauen-Filmszene und kann auf eine grandiose Karriere und eine tolle Filmographie zurückblicken. Auf die Frage, wie sie die Zukunft der weiblichen Filmszene sieht, zitiert sie Margarete Mitscherlich: „Die Zukunft ist weiblich.“ Nun sind wir gespannt auf ihren neuen Film „Vulva 3.0“, über den wir im Festivalblog zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer berichten werden.

 

Text: Kim Jungbluth



Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 10. April 2014 um 08:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Panorama abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert