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Von Begierde und Widerstand

Teaser BegehrtEine der drei großen Sektionen des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund|Köln in diesem Jahr ist „begehrt! – filmlust queer“. Nicht weniger als 28 Filme beschäftigen sich dort mit „dem Begehren und queerem Widerstand“, so die Festivalwebsite. Es soll um Liebe gehen, um Dates, Beziehungen und Verlangen. Aber auch um Grenzüberschreitungen. Doch was ist eigentlich mit „queerem Widerstand“ gemeint?

Was ist denn überhaupt „queer“? Der Begriff kommt aus dem Englischen und ein erster Blick in Wikipedia verrät, er „bezeichnet als Adjektiv Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen“. Das kann ja erstmal alles sein. Oder nichts.

Gemeint sind mit dem Begriff heute in der Regel Menschen, deren Sexualität von der heterosexuell-monogamen Norm abweicht. Einfacher gesagt: „Queer“ ist ein Oberbegriff für alle Homo-, Bi-, Inter-, Pan- und Asexuellen, für Transgender und BDSM-Liebhaber, aber auch für heterosexuelle Menschen, die zum Beispiel Polyamorie praktizieren. Ein weites Feld also, in das sich alle einordnen können, die anders begehren.

Anfang der 1990er-Jahre wurde davon eine neue Kulturtheorie, die so genannte „Queer-Theorie“, abgeleitet. Diese setzt sich kritisch mit dem Zusammenhang zwischen (biologischem) Geschlecht, (gesellschaftlichen) Geschlechterrollen und (sexuellem) Begehren auseinander. Der Theorie zufolge, sind dies die drei Bausteine, aus denen sich eine sexuelle Identität zusammensetzt. Sie stellt die heteronormativen Geschlechterrollen von Männern und Frauen genauso in Frage, wie die Begrenzung auf zwei Geschlechter. Widerstand gegen die Norm also – queerer Widerstand.

„Begehrte“ Highlights

Ein Thema also, das reichlich Stoff für Kontroversen liefert und doch einen weichen Kern hat: die Liebe. Genauso facettenreich wie das Thema ist auch das Filmprogramm, das die Kuratorin Mariel Maciá für „begehrt! – filmlust queer“ ausgesucht hat: Neben einem Ausflug in die faszinierenden Neoburlesque-Szene New Yorks („EXPOSED“, inkl. Live-Burlesque-Show in Köln und Dortmund) geht es um Frauen, die an queeren Pornofilmen der Filmemacherin und queer-feministischen Aktivisten Marit Östberg mitgewirkt haben („Sisterhood“) – natürlich nicht ohne zu zeigen, woran mitgewirkt wurde („Share“, „Authority“).

In „Something Must Break“ erzählt Regisseurin Ester Martin Bergsmark die wilde Liebesgeschichte der transsexuellen Sebastian/Ellie, die sich Hals über Kopf in Andreas verliebt, der seinem Selbstverständnis nach allerdings hetero ist. Herzschmerz garantiert!

Das Kurzfilmprogramm „Depressed? It might be political!“ beschäftigt sich mit Depression und Unwohlsein im Zusammenhang mit neoliberalen Arbeits- und Lebensverhältnissen, mit Trans- und Homophobie, Sexismus sowie mit postkolonialen Hierarchien und Rassismen. Der Workshop „Depressed? Yes, okay, but let’s speak out!“ greift dieses Thema auf und vertieft es.

Unter dem Label „Sex Positive“ ist unter anderem die Dokumentation „Camp Beaverton: Meet the Beavers“ zu sehen, in der das frech-frivole Leben der „eigensinnigen Mädchen“, wie sie  sich selbst nennen, während des Burning Man Festivals 2012 dokumentiert wurde.

Musikalisch wird es bei den „Kumbia Queers“, sechs lateinamerikanischen Musikerinnen, die sich ihren Ruf durch ihre ganz eigene Interpretation der sonst als machistisch und frauenfeindlich geltenden Musikrichtung Cumbia verdient gemacht haben. Die Dokumentation „Kumbia Queers: More louder bitte“ dokumentiert die Europatournee der Künstlerinnen.

Alles in allem verspricht die Sektion „begehrt! – filmlust queer“  für abwechslungsreiche Filmmomente zu sorgen. Weitere Infos, was genau wann läuft, liefert das vollständige Programm.

Text: Stefan Winopal



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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 6. April 2014 um 01:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Begehrt! – Filmlust Queer abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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