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Super8 – Dagie Brundert belebt ein altes Filmformat mit Kaffee

SuppenperformanceFamilienurlaub an der Adria, die erste Fahrt mit dem neuen VW-Käfer – wer in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts privat filmte, machte das mit einer Super8-Kamera. Mittlerweile nutzen nur noch wenige Enthusiasten das Format. Die Filmemacherin Dagie Brundert hat dem Super8-Film neues Leben eingehaucht: Sie nutzt Kaffee, Rotwein oder auch Seewasser, um ihre Filme zu entwickeln. Bei der Langen Filmnacht des IFFF kann man ihr bei ihrer „Suppenfilm-Performance“ live bei der Filmentwicklung zuschauen.

Als 1965 Kodak die erste Super8-Kamera auf den Markt brachte, hielt das Bewegtbild Einzug in die Privathaushalte, denn im Gegensatz zu ihren Vorgängermodellen war diese Kamera erschwinglich und einfach zu bedienen. Der Großteil der Super8-Kameras produzierte ausschließlich Stummfilme; wer seine Filme unbedingt vertonen wollte, musste die Tonspur separat aufnehmen und dann über einen geeigneten Projektor synchron zum Film abspielen. Super8 sollte das Filmen auch einem technisch unkundigen Publikum nahebringen – und das funktionierte auch: Bis Mitte der 70er stiegen die Verkaufszahlen stetig an, aber in den 80er Jahren wurde Super8 von Videokameras verdrängt.

Aber auch heute noch gibt es Super8-Liebhaber. Die grobe Körnung, leuchtende Farben und eine gemessen an heutigen Standards eher unscharfe Bildqualität schaffen eine warme, geheimnisvolle Atmosphäre. Die oft etwas abrupten Schnitte kurzer Filmsequenzen, die darauf zurückzuführen sind, dass gängige Super8-Kameras nur 18 oder 36 Bilder pro Sekunde aufzeichnen können, bieten einen Kontrast zur heutigen, deutlich höheren Bildwechselfrequenz. Diese Besonderheiten des Formats machen es auch heute noch interessant für den Kunst- oder Experimentalfilm.

Eine der Liebhaberinnen des Retro-Formats ist die Berliner Super8-Filmerin Dagie Brundert. Beim IFFF zeigt die Künstlerin in der Langen Filmnacht einen ihrer Filme, anschließend wird sie in ihrer „Suppenfilm-Performance“ kölsche Zutaten anrichten: Wenn Dagie Brundert ihre Super8-Filme entwickelt, experimentiert sie mit Flüssigkeiten wie Rotwein, Tee oder Kaffee, gibt Vitamin C oder Waschsoda hinzu und erfreut sich an chemischen Reaktionen, die ihren Filmen eine ganz eigene ästhetische Note verleihen.

Wer neugierig geworden ist, kann Dagie Brunderts Beitrag zum IFFF bei der Langen Filmnacht am Samstag, 23.04., ab 20.15 Uhr im Odeon
ansehen.

Text: Lilly Himberger



Der Beitrag wurde am Freitag, den 8. April 2016 um 01:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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