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Hinter den Kulissen – wo kommen all die Filme her?

einBlickhinterdieKulissenÜber 100 Filme werden in diesem Jahr auf dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln zu sehen sein. Angehende Festivalbesucher sollten sich also gegen viereckige Augen und erhöhten Cholesterinspiegel dank Popcorn, Nachos und Schoki im Übermaß wappnen. Doch wer sucht eigentlich all die Filme aus? Und woher kommen die Kopien? Wir wagen den berühmten Blick hinter die Kulissen. Ein Besuch am IFFF-Standort in Dortmund.

Requisiten, die man fast sicher erwartet, wenn man den Standort eines Filmfestivals besucht, sind Filme. Ganz klar. In Zeiten von Netflix, Apple-TV und tragbaren Blue-Ray-Playern relativiert sich das, zugegeben. Was genau soll man denn da erwarten? Eine alphabetisch sortierte DVD-Sammlung vielleicht, mit A für Apocalypse Now und Z wie Zoolander? Die Enttäuschung ist den Umständen entsprechend moderat, als sich das Dortmunder Büro des IFFF Dortmund|Köln als kompakte Bibliothek entpuppt. Statt Filmen also: Bücher!

Nichtsdestotrotz werden auch 2016 über 100 Filme auf dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln gezeigt, geschaut und diskutiert. Eingereicht wurden in diesem Jahr etwa 800 Filme. Die werden vomEin Film, den Helge Schwache jedem Cineasten in spe ans Herz legen würde: "Happiness". IFFF-Team natürlich alle gesehen. Zusätzlich recherchieren die Kuratoren und Kuratorinnen aber auch Filme, die zu den Themenschwerpunkten passen. Helge Schwache ist inhaltlich für die Sektion „Begehrt! Queeres Kino beim IFFF Dortmund|Köln“ zuständig.  „Ein wichtiges Kriterium beim Kuratieren ist erst einmal, dass der Film von einer Frau gemacht wurde. Aber natürlich müssen die Filme auch einen bestimmten ästhetischen und qualitativen Anspruch haben“, erzählt der studierte Film- und Fernsehwissenschaftler. „Da fallen schon viele Filme durchs Raster.“

Als Festival, das unter anderem mit öffentlichen Geldern finanziert wird, hat das IFFF Dortmund|Köln selbstverständlich auch einen Bildungsanspruch. Der zeigt sich vorwiegend im Schulprogramm. Da kann es dann auch vorkommen, dass ein Film gezeigt wird, der nicht von einer Frau gemacht wurde. So zum Beispiel der Animationsfilm Die Melodie des Meeres.  „Solche Filme, die ein starkes Frauenbild propagieren oder von einer emanzipierten Frauenrolle getragen werden, kommen ebenfalls in Frage“, erklärt Schwache. Allerdings bleibt es eine Ausnahme, dass ein Film von einem Regisseur ausgewählt wird. Schließlich stehen bei diesem Festival die Filmemacherinnen im Mittelpunkt.

Wenn die Organisatoren und Organisatorinnen dann alle Filme, die es zu zeigen gilt, ausgesucht haben, beginnt Helge Schwaches zweite Aufgabe: Er ist neben „Begehrt!“ auch für die Filmkopiendisposition zuständig, das heißt, er fungiert als Mittler zwischen Festival und Verleihen. Betriebe, Filmverleihe, Regisseurinnen und Rechteinhaber werden kontaktiert, um die Filmkopien wird gefeilscht und verhandelt und schließlich werden die entsprechenden Filme für das Festival erstanden. Manch eine in den unendlichen Tiefen verstaubter Filmarchive entschwundene Filmkopie wurde schon von Helge Schwache wieder ausgegraben.

Da ist es nicht unbedingt förderlich, dass sich in den vergangenen acht Jahren, in denen Helge Schwache schon die Filmkopiendisposition betreut, auch das grundlegende Format geändert hat. Statt 35-mm-Kopie heißt es (frei nach Tocotronic) „Digital ist besser“. Nur im Filmforum werden in diesem Jahr noch analoge Filme gespielt, alle anderen Kinos können inzwischen eine digitale Anlage vorweisen. „Teilweise kriege ich da nur einen Download, einen Link oder einen USB-Stick zugeschickt“, erzählt Schwache. DCP, Digital Cinema Package, ist das Format der Stunde. Doch die im ersten Moment als logistischer Vorteil erscheinende voranschreitende Digitalisierung birgt gewisse Tücken: „Bei einem analogen Film kann man sehr viel schneller sehen, ob er abspielbar ist“, meint Schwache. „Ich sehe es nicht so, dass durch die Digitalisierung alles einfacher geworden ist. Eher viel komplizierter.“

Und wenn er dann alle 100 Filme aufgetrieben hat, geht auch schon fast der Festivalbetrieb los. Im Anschluss an das IFFF Dortmund|Köln ist er natürlich auch dafür verantwortlich, dass die Filmkopien wieder ordnungsgemäß an ihren rechtmäßigen Eigentümer zurückverfrachtet werden.

Im Dortmunder Büro des IFFF Dortmund|Köln findet sich dann übrigens doch noch ein Raum voller Filmutensilien: Projektoren, Kameras, Anlagen. Auf PC-Bildschirmen werden hier parallel Filme abgespielt. Bald schon geht es los mit dem Festival und die vielen, vielen Filme, die Helge Schwache in aufwendiger Arbeit zusammengetragen hat, werden den Besuchern präsentiert. Da braucht es doch wirklich keine DVD-Sammlung mehr.

Text: Johanna Dürrholz



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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 12. April 2016 um 18:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

2 Reaktionen zu “Hinter den Kulissen – wo kommen all die Filme her?”

  1. Bebi

    Sehr interessanter, gut recherchierter und formulierter Artikel. Da möchte man auch als männlicher Cineast zum Frauenfilmfestival!

  2. FR

    Gefällt mir auch sehr gut!