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Musikvideos gehören auf die Kinoleinwand

Filmbildung_IFFF2010_225__c__Guido_Schiefer_360x200_11„Ein gutes Musikvideo erkennt man daran, dass man die Bilder dazu im Kopf sieht, sobald man das Lied hört“, sagt Jessica Manstetten. Sie ist die Expertin in Sachen Musikvideos. Die aus Oberhausen stammende Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftlerin entdeckte ihre Liebe zum Film nicht in einem Kino oder Theater mitten im Ruhrgebiet, sondern in einem Pariser Cinéma. Sie verbrachte als Studentin der französischen und spanischen Sprache ein Jahr an der Seine und verliebte sich sofort in die Kinowelt. Beim IFFF ist sie in der Auswahlkommission für die Lange Filmnacht dabei.

Das Musikfernsehen war in den 90er Jahren die einzige Möglichkeit, die neuesten Musikvideos erstmals zu sehen. Als leidenschaftlicher Musikfan musste man vor dem Röhrenfernseher zappeln, wenn es um die Erstausstrahlung von Videos der Lieblingsmusiker ging. Sie haben uns gezeigt, was gerade Trend und welche Songs die coolsten waren.

Heute sieht das ganz anders aus. Musikfernsehen spielt kaum noch eine Rolle, MTV und VIVA haben sich zu Seriensendern entwickelt. Musik-Fans sehen sich die Videos ihrer Lieblingsband auf YouTube oder bei Internetsendern wie tape.tv oder putpat.tv an.

Die Musiker betreiben dennoch viel Aufwand, um spektakuläre Clips zu produzieren. Viele sind experimenteller geworden, künstlerischer, findet Jessica Manstetten. Sie hätten mehr Freiheiten, weniger Hemmungen und müssten sich nicht mehr mit den Ansprüchen von MTV begnügen. Die Musik biete eine feste Grundlage, auf die man bauen könne, und gerade das mache die Videos so sehenswert und einzigartig. Teilweise entstünden so auch Clips von geringer Qualität, aber auch viel Sehenswertes. Man sei heutzutage nicht mehr an ein Medium oder Label gebunden – jeder kann Musik machen und sie ins Netz stellen.

Die internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen

1999 führten die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen mit dem „MuVi“ den ersten Festivalpreis weltweit für Musikvideos aus Deutschland ein. Damit wurden Musikvideos zur eigenständigen visuellen Form. Laut Jessica Manstetten habe sich sogar inzwischen gezeigt, dass das Musik-Video ein unabhängiges Kurzfilm-Genre geworden sei, das sogar den Abstieg des Musikfernsehens überlebt habe. Der MuVi-Preis hat sich zum Treffpunkt für Regisseure, Labels, Fachpresse und die Kurzfilmszene entwickelt. Ein Ort, neue Entdeckungen zu machen und entdeckt zu werden.

Jessica Manstetten ist weiß genau, was ein gutes MuVI ausmacht: eine gute visuelle Idee. Die dazugehörige Musik muss einem nicht mal unbedingt gefallen, um das Video zu mögen. „Es geht um einen Ausbruch aus verankerten visuellen Motiven in bestimmten Genres, wie beim Hip-Hop, die in das Bild rappen“, erklärt sie. Man gehe heute schon viel offener mit solchen Brüchen um. Das könnten Performances sein, das könnten Animationen sein, wirklich alle visuellen Genres. Jessica findet, dass gewisse Musikvideos nicht für kleine Bildschirme gemacht werden, sondern für die große Kinoleinwand.

Für die lange Filmnacht hat Jessica Manstetten den MuVi-Block zusammengestellt und ist in der Auswahlkommission vertreten. Am Samstag, 23. April, 20:15 Uhr, werden die Filme im Odeon ausgestrahlt – darunter Filme von Emily Van Duke, Vivian Ostrovsky, Kurdwin Ayub, Eleni Gioti und vielen, vielen mehr.

 

Text: Johanna Menke



Der Beitrag wurde am Freitag, den 15. April 2016 um 02:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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