Ein Projekt des Studiengangs Online-Redakteur
an der Technischen Hochschule Köln
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Ich sehe das, was du auch hörst – Filme in Gebärdensprache

Schneewittchen_evilGrandmother_BrittDunseMenschen, deren Hörvermögen stark eingeschränkt ist oder gar fehlt, bedienen sich der visuellen Gebärdensprache. Länderabhängig gibt es demnach viele verschiedene, teils sehr umfassende Sprachschätze. In Deutschland wird diese Sprache offiziell Deutsche Gebärdensprache (DGS) genannt, doch ebenso wie „unsere“ Lautsprache kann sie durch verschiedenste regionale Dialekte geprägt sein. Das Übersetzen von Filminhalten in Gebärden ist ein wichtiger Aspekt, um Filme für alle zugänglich zu machen. Auch beim Internationalen Frauenfilmfestival 2016 wird es um gebärdete Filme gehen.

Erst seit den 80er Jahren wird die Erforschung der Deutschen Gebärdensprache zu den Sprachwissenschaften gezählt. Dabei lassen sich mithilfe von Gebärdensprache selbst komplexe Inhalt so gut wiedergeben wie in der gesprochenen Sprache. Vor diesem Hintergrund wirkt das Angebot an Filmen für Gehörlose immer noch sehr eingeschränkt. Viele unserer kulturellen und gesellschaftlichen Aktivitäten finden über das Gehör statt: Film, Theater, politische Arbeit. Ohne Ton könnten wir daran nur schwer teilhaben.

Um auszubrechen aus dieser Isolation unter Hörenden, die sie kaum verstehen konnten, von denen sie nicht verstanden wurden und an deren kulturellen Aktivitäten sie nur sehr eingeschränkt teilhaben konnten, gründeten gehörlose Menschen eigene Vereine. Denn am kulturellen Leben teilzunehmen und durch eigene Kommunikation auch selbst zur Kultur beizutragen, ist nicht nur „nice to have“, sondern ein existenzielles Grundbedürfnis. Die Welt hält für Gehörlose nicht weniger Schönheiten bereit als für Hörende, nur liegen die Schwerpunkte anders als Hörende es gewohnt sind. Werden also beispielsweise gefühlvolle Filmsequenzen gebärdet, können sie von Gehörlosen genauso gut erfasst, erspürt, verstanden werden wie von jedem Hörenden.

Apropos verstehen: Von gehörlosen Menschen gesprochene Lautsprache ist manchmal schwer zu verstehen. Doch anders als oft angenommen sind Gehörlose nicht stumm oder gar taubstumm. Sich mitteilen zu wollen und eigene Projekte zu stemmen, das Grundbedürfnis teilen alle – da gibt es keinen Unterschied.

Auch im Rahmen des IFFF haben sieben kleine Zwerge und ihr Schneewittchen gezeigt, wie gut das gelingen kann. Ein Kurzfilm von Regisseurin Britt Dunse zeigt gehörlose Kinder der Ernst-Adolf-Eschke-Schule, Berlin, in ihrer Umsetzung von „Schneewittchen“. Der Film wird am 19.04. in Köln (Filmforum im Museum Ludwig) und am 20.04. in Dortmund (Kino im U) gezeigt. Näheres zum Film folgt.

Text: Christin Busch



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Der Beitrag wurde am Samstag, den 16. April 2016 um 02:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Hintergrundinfo abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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