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Is it a man´s world?

Comicfigur erklàrt die drei RegelnDer Protagonist ist stark, lustig und auch mal emotional. Die ZuschauerInnen können sich in ihn hineinversetzen, leiden und freuen sich mit ihm. Wir lernen verschiedene Erinnerungen und Facetten des Mannes kennen. Und die Frau? Ja, die gehört nunmal dazu. Natürlich spielt sie eine große Rolle, denn ohne sie gäbe es für den Helden einen Grund weniger, durchzuhalten. Aber von ihrer Sorte braucht man nicht viele, und was die Frauen in einer Geschichte denken (abgesehen davon, dass der Held ganz großartig ist), ist auch egal. Das ist – zugegebenermaßen nicht immer in dem Ausmaß – die Realität vieler Filme, die auf den Leinwänden unserer Kinosäle laufen.

Wie Silke Johanna Räbiger und Sonja Hofman im Interview bereits betonten, gibt es viele Filme, die federführend von Frauen produziert wurden. Regisseurinnen, Bildgestalterinnen und Technikerinnen sind trotzdem in den Credits großer Kinofilme immer noch seltener zu entdecken als die Namen ihrer männlichen Kollegen. Bekannter sind dahingegen die Namen von Schauspielerinnen, die meist auch weibliche Figuren verkörpern. In den Geschichten herrscht also nahezu Ausgeglichenheit zwischen den Rollen der Frauen und deren der Männer – könnte man meinen.

Um herauszufinden, wie frauenfeindlich oder -freundlich ein Film ist, kann man ihn dem Bechdel-Test unterziehen. Ins Leben gerufen wurde dieser 1985 von Alison Bechdel, die in ihrem feministischen Comic „Dykes to watch out for“ einer der Figuren in die Sprechblasen schrieb, sie würde einen Film nur noch besuchen, wenn in ihm mindestens zwei Frauen vorkämen, die namentlich genannt werden, und wenn diese sich dann miteinander unterhielten – und zwar über etwas Anderes als Männer. Geboren war ein simpler Test, der die Darstellung stereotypischer Verhaltensmuster in Filmen nachweisen sollte. Angewandt ergeben sich erschreckende Ergebnisse, die nicht unbedingt zur eigentlichen Aussage des Films passen müssen.

Nur rund vierzig Prozent aller Kinofilme, bei denen Regie Männer geführt haben, bestehen den Bechdel-Test. Durch den Test fallen allerdings Filme wie Disneys „König der Löwen“, „Forrest Gump“ (Robert Zemeckis) oder sogar die „Herr der Ringe“-Trilogie (Peter Jackson). In Tom Tykwers „Lola rennt“ verkörpert Franka Potente die Protagonistin als eine starke und facettenreiche Frau – trotzdem besteht der Film den Bechdel-Test nicht. Es ist verblüffend, dass uns so viele Filme als ausgeglichen in Erinnerung geblieben sind, und wenn wir noch mal genauer darüber nachdenken, die Frauen tatsächlich nur dabei waren, weil sie nun mal in eines Mannes Welt dazugehören.

Beim Bechdel-Test geht es weniger darum, auf Teufel komm raus eine Frau ins Set zu stellen, als eher um die Frage, ob ihre Rolle – wenn überhaupt – nur zur Verbreitung eines Stereotyps eingesetzt wird. Zur Beurteilung eines Films bezüglich seiner Frauenfeindlichkeit reicht allerdings die simple Beantwortung der drei Bechdel-Testfragen nicht aus. Wir sollten ihn also nicht dazu nutzen, einem Film einen Stempel aufzudrücken, sondern eher, um unser eigenes Bewusstsein für Diskriminierung zu stärken. Das zu beobachten, funktioniert aber auch in die andere Richtung: Werden nicht auch Männer in Stereotype gepresst – dadurch, dass sie meist entweder Held oder Trottel sind, aber selten facettenreiche Menschen, die in keine Schublade gehören?

Wir werden während des IFFFs die Augen offen halten. Nach Filmen, die uns Zuschauern die Interpretationsfreiheit lassen, Protagonisten und Antagonisten als echte Individuen zu erkunden – egal welchen Geschlechts.

Text: Mendy Stoll
Foto: Mendy Stoll, aus Alison Bechdels „Dykes to watch out for“ 



Der Beitrag wurde am Sonntag, den 17. April 2016 um 13:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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