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Lichtbildtheater mit wechselvoller Geschichte – das Odeon

odeonEiner der sechs Schauplätze des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund|Köln ist das Odeon. Mitten im Herzen der Kölner Südstadt gelegen, ist das Kino ein Treffpunkt für Filmliebhaber. Das Odeon blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der es viele Tiefs durchzustehen hatte. Dennoch hat es sich bis heute als Institution für Kölner Kinobegeisterte gehalten, weil die Liebe zum Film immer größer war, als die Widerstände, gegen welche das Kino und seine Betreiber ankämpfen mussten.

1920 eröffnet das Kino an der Severinstraße unter dem Namen Rhenania Lichtspiele, damals ausgestattet mit einem Kinematograph. Die Fachzeitschrift Der Kinematograph berichtet über den Tag der Eröffnung und vermerkt einen großen Andrang auf das Ein-Saal-Kino.
Das Rhenania ist eine Attraktion, bis es im Jahr 1943 durch eine Bombe zerstört wird. Ein erster Wiederaufbau scheitert, als der Rohbau erneut von einer Bombe getroffen wird. Erst 1956 gelingt dem Betreiber der Wiederaufbau. Das Kino dient als Zweitaufführungstheater und spielt hauptsächlich deutsche und amerikanische Unterhaltungsfilme. Das Rhenania wird zu einem angesagten Ort im Köln der Nachkriegszeit und schreibt Erfolgszahlen.

Der Einzug des Fernsehers in die heimischen Wohnzimmer dämpft den Andrang auf das wiederbelebte Kino. Im Jahre 1975 werden die Pforten erneut geschlossen. Erst durch den Einzug von Trude Herr und ihrem Ensemble 1977 kehrt wieder Leben ein in das traditionsreiche Haus im Kölner Severinsviertel – oder wie der Kölner sagt: Vringsveedel. Das Gebäude wird zum Theater umfunktioniert, die Besucherzahl steigt wieder rapide an. Das Theater im Vringsveedel oder auch Trude-Herr-Theater genannt, zieht mehr Menschen an als jedes andere in Nordrhein-Westfalen. Jedoch erhält Trude Herr keine Zuschüsse von der Stadt und selbst ein ausverkaufter Saal kann die Fixkosten nicht decken. So verabschiedet sich das Ensemble nach zehn Jahren aus der Severinstraße.

Nach einem erneuten Betreiberwechsel wird das Theater 1987 zum heutigen Odeon. Bis 2001 hält das Kino sich finanziell wacker auf den Beinen, muss dann aber erneut geschlossen werden; der damalige Betreiber, die Arthaus-Lichtspieltheater-Betriebs-GmbH, ein Tochterkonzern der Kinowelt-Medien-AG, muss aufgrund einer Krise dem Odeon den Rücken kehren. Die Schließung trifft viele Kölner Filmliebhaber. Insgesamt werden rund 25.000 Unterschriften gesammelt von Menschen, die sich für das Weiterbestehen des Odeons einsetzen. Drei Monate später wird der Einsatz belohnt: Durch eine Sofortmaßnahme der Stiftung NRW und der zur Rettung gegründeten Odeon-Lichtspieltheater GmbH erwacht das Kino wieder zum Leben. Zum Start des regulären Kinoprogramms flackert der Dokumentarfilm „Viel passiert“ von Wim Wenders auf der Leinwand – ein Film über die Kölschrockband BAP, der hauptsächlich in der Kölner Südstadt gedreht wurde.

Danach kommt das Kino allmählich zur Ruhe, allerdings nur, was die wirtschaftlichen Turbulenzen angeht. Das Programm des Odeon spiegelt hingegen Ideen, Offenheit und vielfaltige Aktivitäten. Unterschiedliche Programme wurden eingeführt, unter anderem wird das Kino mittlerweile einmal im Monat mit einem Filmangebot für ältere Menschen zum Seniorentreff, und dies nicht nur für Menschen aus dem Veedel.

Beim Odeon handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Kino, sondern um eine Herzensangelegenheit. Der Film als Kulturmedium steht natürlich im Vordergrund. Internationalität spielt eine entscheidende Rolle, im aktuellen Programm findet man Filme verschiedenster Nationen. Aus diesem Grunde ist das Odeon auch der perfekte Ort für das Frauenfilmfestival Dortmund|Köln. Das Café im grünen Innenhof bietet einen angenehmen Ort für Diskussion und Austausch über zuvor Gesehenes, denn darum geht es doch auch beim Kinobesuch: um das gemeinsame Kinoerlebnis und den Genuss des Außergewöhnlichen.

Der Spielplan ist auf den Webseiten des Odeon und des Frauenfilmfestivals zu finden.

Odeon Lichtspieltheater • Severinstraße 81 • 50678 Köln

Text: Lea Friedsam



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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 19. April 2016 um 02:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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