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an der Technischen Hochschule Köln
Bild von vielen Wollhandschuhen in einer Reihe
 
 
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Merkwürdige Treppen in Brühl

Manche Kunstwerke lassen Spielraum für Interpretationen offen. Andere Kunstwerke wiederum können sehr verwirrend wirken. Zum Beispiel, wenn Figuren fließend ineinander übergehen und aus Schachbrettfeldern Echsen werden, aus denen dann Sechsecke werden, die zu Waben werden, aus denen Bienen schlüpfen. Die Rede ist natürlich von M.C. Escher. Dieses Kürzel ist für viele mit bleistiftgrauen Zeichnungen von rätselhaft-magischen Welten verbunden. Und genau diese Welten kann man zur Zeit im Max Ernst Museum in Brühl sehen – vom Festivalstandort Köln nur einen Katzensprung entfernt.

Ende der 1930er Jahre machte Mauritz Cornelius Escher (1898-1972) – der eigenwillige niederländische Künstler mit der Vorliebe für unmögliche Figuren – erstmals auf sich aufmerksam. In dieser Zeit entstand auch sein heute wohl bekanntestes Werk, das Landschaftsbild „Tag und Nacht“: Es zeigt eine Wiesen- und Flusslandschaft, über die neben einer grazilen Formation von Gänsen auch die Tageszeiten hinweg fliegen. Vergleichbare Bekanntheit erlangte auch seine 1953 entstandene Lithographie „Relativität“, die von Kunstwissenschaftlern häufig als programmatisch für Eschers späteres Schaffen beschrieben wird. Sie gibt Einblick in ein Treppenhaus, in dem physikalische Gesetze nicht mehr zu greifen scheinen und jede Treppe von einer anderen Schwerkraft getragen wird.

Einige dieser Werke von Escher, der heute zu einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts zählt,  zeigt das Max Ernst Museum in Brühl nun in einer Einzelausstellung. Noch bis zum 22. Mai werden dort über 100 Werke zu sehen sein – von Holzschnitten, Lithografien, Mezzotinten bis hin zu Zeichnungen.

Auffällig ist dabei: Eschers Werke verwehren sich jeder künstlerischen Einordnung. Seine verschobenen Perspektiven und die beeindruckenden Unmöglichkeiten, die der Graphiker in seinen Bildern schafft, stellen jede Wahrnehmungslogik in Frage – und ziehen den Betrachter dadurch umso mehr in den Bann. Das gilt vor allem für die Bilder von geometrisch-verschachtelten Formen und fantasievollen Tieren, die neben filigranen Zeichnungen im Stil des deutschen Renaissance-Künstlers Albrecht Dürer ausgestellt sind. Die Vorstellungskraft des Künstlers und seine Hingabe zur Perfektion lassen den Besucher staunend zurück.

Neben den analogen Arbeiten von Escher finden sich in der Ausstellung des Max Ernst Museums auch digitale neuere Werke. Studenten des Cologne Game Lab der Technischen Hochschule Köln haben künstlerisch-experimentelle Virtual-Reality-Arbeiten programmiert. Diese können über eine VR-Brille mittels interaktiver 360°-Technologie erforscht und sogar „betreten“ werden.

Erwachsene zahlen 8,50 €, der ermäßigte Eintritt liegt bei 5 €. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kommen umsonst rein. Bis zum 22.05.2016 findet die Ausstellung statt.

Text: Tjark Lengert

 



Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 20. April 2016 um 18:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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