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Der Genozid in Ruanda – mit den Folgen leben

Bild: IFFF

„God is not working on Sunday!“ Diese Aufforderung, sein Leben – nicht nur sonntags – selbst in die Hand zu nehmen, gibt der Dokumentation der Videokünstlerin und Fotojournalistin Leona Goldstein ihren Titel. Der im Jahr 2015 entstandene Film begleitet die beiden Aktivistinnen Godeliève und Florida, die in ihrem Heimatland Ruanda Projekte für Frauen und deren Kinder betreuen – 20 Jahre nach dem grausamen Völkermord an der Tutsi-Minderheit.

Gerade einmal 100 Tage dauerte der Genozid. Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF wurden in dieser Zeit 250.000 bis 500.000 Frauen und Mädchen missbraucht und vergewaltigt, viele von ihnen wurden schwanger. Die ruandische Frauenrechtsorganisation Sevota, die im Fokus von Leona Goldsteins Dokumentationsfilm steht, begleitet einige von ihnen. Sevotas Aufgabe, so heißt es auf der Homepage des Projektes, sei es vor allem, sich um die Opfer von Vergewaltigungen und die in der Folge geborenen Kinder zu kümmern. Deren Verhältnis ist häufig schwierig: Die Mütter sind traumatisiert und leben aufgrund der Vergewaltigung, die in Ruanda als schwere Schande gilt, häufig sehr isoliert; die Kinder sind mit dem Schicksal, Nachkommen der feindlichen Miliz zu sein, stigmatisiert.

Sevota bietet diesen Frauen psychosoziale Unterstützung in Form von Gruppen, in denen sich betroffene Frauen austauschen können. Sie vermittelt aber auch kleine Jobs und Hilfe für Frauen, die bedürftig oder HIV-positiv sind.

Frauenorganisationen nach dem Genozid

Wie Sevota entstanden auch viele weitere Frauenorganisationen in Ruanda nach dem Genozid. Sie unterstützen betroffene Frauen, leisteten Versöhnungsarbeit und haben bis heute einen großen Einfluss auf das politische Klima im Land. „Es waren Frauen, die die größte Last beim Wiederaufbau des Landes zu tragen hatten“, erklärt Karen Knipp-Rentrop. Als Referentin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale engagiert sie sich seit Jahren für Frauen in Kriegs- und Krisengebieten, die Situation in Ruanda kennt sie sehr genau.

Und die bleibt – trotz des Fortschritts, den Ruanda in den letzten Jahren gemacht hat – bis heute problematisch. Denn obwohl inzwischen juristisch anerkannt ist, dass es Vergewaltigungen gegeben hat, finden Betroffene bis heute nicht genug Unterstützung. Und auch für ihre Kinder ist die Situation alles andere als einfach: „Viele haben da eine sehr schwere Position, sie bekommen nicht einmal Schulgeld“, sagt Karen Knipp-Rentrop.

Das Verbrechen entanonymisieren

Den Film „God is not working on Sunday“ findet sie auch deswegen wichtig, weil er das Thema entanonymisiert und es auf eine persönlichere Ebene bringt. Gerade für die Protagonistinnen sei der Film sehr wichtig, sie könnten damit einer noch breiteren Öffentlichkeit zeigen, wie Frauen sich für die Aufarbeitung des Geschehens einsetzen. „Viele Frauen erfahren bis heute wenig Unterstützung, leiden aber noch immer unter den Langzeitfolgen“, gibt Knipp-Rentrop zu bedenken. Der Film kann in jedem Fall dazu beitragen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das Leben mit den Folgen der Verbrechen des Genozids für viele Frauen, aber auch ihre Kinder, bis heute sehr schwierig ist.

„God is not working on sunday!“ läuft am Donnerstag, 21.04., um 20 Uhr im Filmforum.

Text: Vera Siebnich

Bild: IFFF Dortmund|Köln 2016



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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 21. April 2016 um 17:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter Hintergrundinfo abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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