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Kölner Unterwelten: Die neue Linie 17

Blick in U-Bahnhaltestelle Chlodwigplatz, KoelnWen es nach dem Besuch eines der Festivalfilme im Odeon noch in die Kölner Altstadt zieht, ist versucht, direkt vor dem Kino in die U-Bahnhaltestelle Kartäuserhof der Linie 17 abzutauchen. Diese Haltestelle ist Teil der jüngsten Erweiterung der Kölner Stadtbahn. Aber Achtung, liebe Festivalbesucher! Nur eine einzige Station bringt diese U-Bahn-Linie Sie in nördlicher Richtung weiter. Wieso? Und was macht die neuen Haltestellen der Linie 17 so besonders, dass sich eine Rolltreppenfahrt in den Untergrund trotzdem lohnt? Wir verraten es.

Seit Dezember 2015 ist die Linie 17 in Betrieb. Die Linie gilt jedoch nur als Zwischenlösung bis zur endgültigen Fertigstellung der gesamten Bauarbeiten am Projekt Nord-Süd-Bahn; das wird voraussichtlich im Jahr 2023 sein. Dann soll die Linie 17 bis zum Hauptbahnhof führen. Die neue Strecke der Linie 17 ist zurzeit zwei Kilometer lang und fährt die vier nagelneuen Haltestellen Severinstraße, Kartäuserhof, Chlodwigplatz und Bonner Wall an.

Die Bauzeit für die südlichen Haltestellen betrug elf Jahre. Der Bau hatte zur Folge, dass eine Kirche in der Kölner Südstadt absackte und das historische Stadtarchiv einstürzte, wobei zwei Menschen ums Leben kamen. Durch den Einsturz des Stadtarchivs und die lange Suche nach der genauen Ursache ist die Lücke zwischen dem nördlichen und dem südlichen Abschnitt der Nord-Süd-Bahn bis heute nicht geschlossen; darum endet die Fahrt vom Kartäuserhof in nördlicher Richtung schon an der nächsten Haltestelle. Die Kosten für den weiteren Ausbau der Nord-Süd-Bahn schossen inzwischen enorm in die Höhe.

Entlang der Linie 17 sollte man durchaus einmal einen Blick in den Kölner Untergrund werfen, denn die nagelneuen Haltestellen unterscheiden sich enorm von den restlichen Haltestellen Kölns und sind absolut sehenswert. Vor allem die Haltestelle Chlodwigplatz ist eines der Schmuckstücke auf der neuen Strecke. Das Tageslicht fällt durch große Oberlichter in die Eingangsbereiche. An Pilze erinnerende Trägerkonstruktionen aus Stein stützen die Decke. Ein großes buntes Wandgemälde der Künstlerin Katharina Grosse erstreckt sich zudem unterhalb des Kreisverkehrs ab der Treppenanlage. Das besondere Highlight der Haltestelle Chlodwigplatz: Es wurden Teile eines mittelalterlichen Bollwerk-Turmes rekonstruiert und in die Wand integriert. Das große Originalstück gehörte zu der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Der Bahnsteig ist 90 Meter lang und ca. 19 Meter breit; die Haltestelle Chlodwigplatz ist somit die größte unterirdische Station im Kölner Süden.

Auch die anderen Stationen sind sehenswert. So bestimmen zum Beispiel transparente, blaue Scheiben, durch die man auf nackten Beton sehen kann, das Erscheinungsbild an der Haltestelle Kartäuserhof.
Eine Besonderheit gibt es ebenfalls bei der Haltestelle Severinstraße: Die Rolltreppe an dieser Haltestelle ist die längste der Stadt. Sie ist 40 Meter lang. Die beiden Haltestellen Severinstraße und Chlodwigplatz bieten den Fahrgästen eine Vielzahl von Umsteigemöglichkeiten.
Die Haltestelle Bonner Wall ist eine Übergangshaltestelle. Diese Trasse soll noch oberirdisch bis zum Verteilerkreis verlängert werden.

Ziel des Nord-Süd-Stadtbahnprojekts war es von Anfang an, den öffentlichen Personenverkehr zu verbessern. Die Strecke von der Haltestelle Dom/Hauptbahnhof zum Rathaus war der erste Abschnitt, der im Jahr 2012 eröffnet wurde. Ein Jahr später wurde die Strecke bis zum Heumarkt erweitert. Die Linie 17 fährt zurzeit in einem Teilbereich des ersten Bauabschnitts zwischen Severinstraße und Bonner Wall. Weiter in südlicher Richtung übernimmt sie am Fuße der Südbrücke die Trasse der Linie 16. Die Strecke führt dann entlang des Rheinufers.

Die neue Strecke wird von vielen KVB-Kunden noch nicht so angenommen, wie man es sich vorgestellt hatte. Einige sind der Meinung, vor allem die kurze Strecke zwischen den Haltestellen Severinstraße und Chlodwigplatz sei auch zu Fuß gut zu bewältigen. Eine direkte Verbindung weiter in die Innenstadt ist noch lange nicht möglich. Die Schäden durch den Einsturz des Stadtarchivs müssen zuerst behoben werden, um die U-Bahnstrecke in diesem Bereich fertig zu bauen und so die Lücke zu schließen.

Die Bahnen der Linie 17 fahren täglich von 6:00 bis 23:00 Uhr, freitags und samstags bis 01:15 Uhr. Seit dem 11. April 2016 fährt die Linie 17 während des Berufsverkehrs bis nach Sürth weiter, damit die Linie 16 entlastet wird, da diese oft sehr überfüllt ist.

Text: Rebecca Frischholz

Bild: Petra Werner

 



Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. April 2016 um 10:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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