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an der Technischen Hochschule Köln
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Porn Punk Poetry – Worauf stehst du denn?

Damon sitzt in seinem Auto und verabredet sich mit einem KundenDamon, ein Stricher. Wortkarg und unnahbar. Tätowiert bis zu den Händen. „Porn“ und „Punk“ steht auf seinen Knöcheln geschrieben. Poetry hingegen zeigt sich in seinen Zeichnungen, seiner Musik und seinem Traum. Sie findet sich auch in der Lichtsetzung und der preisgekrönten Bildgestaltung wieder, die den Zuschauern Damons Gefühle einverleiben und sie für 40 Minuten sanft in seine zwiegespaltene Welt drücken.

„Keine Küsse. Ich ficke. Ich werde nicht gefickt.“ Was den Sex angeht, hat Damon klare Regeln. Die gelten bei Frauen im Hinterhof vom Club genauso wie bei seinem Job als Prostituierter. Solange seine Kunden die Regeln akzeptieren, erfüllt Damon ihre Phantasien – und verliert zunehmend den Glauben an die Ehre seiner Mitmenschen. „Klar hab ich Zeit. Worauf stehst du denn?“, raunt er mehrmals täglich in sein Telefon. Doch lange möchte Damon diesen Job sowieso nicht mehr machen. Bald wird er sich seinen Traum verwirklichen und nach dem Vorbild eines der wenigen Bücher, die er liest, die Route 66 abfahren. Wer bald abhaut, braucht keine Wohnung. Deswegen wohnt Damon in seinem Auto.

Beim morgendlichen Einkauf, der bei Damon nicht etwa aus Brot und Kaffee, sondern aus Wasser und Mentos besteht, trifft er auf Emma. Sie arbeitet in dem Supermarkt, dessen Parkplatz für eine Weile Damons Zuhause ist. Zielstrebig, aber herzlich, nimmt die junge Russin Kontakt zu dem Unbekannten auf, dessen Auto und Lieblingsmusik schon mal perfekt zum amerikanischen Ziel passen. Und erklärt ihm: Wenn du in einem Auto lebst, musst du ihm einen Namen geben. Wie Eastwood. Clint Eastwood.

Wodka, Livemusik, und Küsse. Emma bringt Damon in eine Situation, in der seine Regeln nicht gelten und er Gefühle zulassen muss. Davon überwältigt, fällt es ihm schwer, den Spagat zwischen Job, Ruf und Liebe zu schaffen. Damon begegnet den Fragen, was es bedeutet, jemandem zu vertrauen und wie man es dieser Person zeigen kann. Man schenkt Frauen doch Parfüm, oder?

In „Porn Punk Poetry“ blicken die Zuschauer in die Gefühlswelt von Damon, ohne sie zu sehr aufgedrückt zu bekommen. Nicht zuletzt haben wir es auch David Schütter (Damon) und Nadja Bobyleva (Emma) zu verdanken, dass wir uns die Teile der Geschichte, die uns vorenthalten bleiben, selbst ausmalen können.

Besonders die Lichtstimmungen geben den Zuschauern das Gefühl des Zwiespalts, der Kälte und Wärme der Geschichte. In der Nachtwelt ist es das farbige Licht in Pink und Blau, tagsüber der fast zu kühle Ton des Tageslichts. In Emmas Nähe hingegen dominieren die warmen Lichtstrahlen weicher Lichtquellen. Durch die Kameraführung und -einstellungen bekommen die Zuschauer eine Ahnung davon, wie es ist, sich in Damons tristem Alltag – gesteuert von der Angst vor Nähe und Zärtlichkeit – zu befinden, und Damons Aufbruch dank Emma zu erleben. Seine Gefühlswelt ist wie die Kamera: Mal steht alles still, mal ist so viel Bewegung in ihr, dass man vor Unruhe fast platzen will.

Für diese Kameraarbeit wird Julia Hönemann bei dem diesjährigen IFFF einer der zwei Preise für die besten Nachwuchsbildgestalterinnen verliehen. Zusammen mit Maurice Hübner (Regie) und anderen Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg drehte sie den Diplomfilm „Porn Punk Poetry“ in den Jahren 2013 und 2014. Seitdem wurde der Film mit mehreren Preisen ausgezeichnet, wie beispielsweise dem Michael-Ballhaus-Preis für die Bildgestaltung und dem Studio Hamburg Nachwuchspreis in der Kategorie Bester mittellanger Film.

Zu sehen ist „Porn Punk Poetry“ am Freitag, 22.4., 16.00 Uhr, in der Filmpalette.

Text: Mendy Stoll
Bild: IFFF



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Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. April 2016 um 13:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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