Ein Projekt des Studiengangs Online-Redakteur
an der Technischen Hochschule Köln
Bild von vielen Wollhandschuhen in einer Reihe
 
 
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My Dearest F#cking Phone – Die Hassliebe zum Handy

My Dearest F#cking Phone„Dear Phone, sometimes you make me sad“, einer dieser Sätze im Film, die im Kopf hängen bleiben. Der Dokumentarfilm „My Dearest F#cking Phone“ zeigt, wie ein junges Mädchen versucht, in der Welt der sozialen Netzwerke zurecht zu kommen. Der Film erinnert an eine Tagebuch-Erzählung, jedoch wird hier nicht in ein Buch geschrieben, sondern zum Handy gesprochen. 

Claudia, die schüchterne 14-jährige Protagonistin, führt innere Monologe mit ihrem Handy: „Liebes Handy, du zeigst mir die vielen Bilder und meine Freunde.“ Claudia liebt ihr Handy, denn es ermöglicht ihr, am Leben anderer teilzuhaben. Sie hasst ihr Handy, denn es verschafft ihr immer nur einen begrenzten Einblick in das Leben der Anderen. Allein der Gedanke, auf das Handy verzichten zu müssen, fällt ihr schwer. Die niederländische Regisseurin Eef Hilgers will darauf aufmerksam machen, wie bedeutsam und stressig zugleich die Beziehung zum Handy in jungen Jahren sein kann – und wie es sich anfühlt, dann doch wieder ohne klarkommen zu müssen.

Claudia sitzt auf ihrem Bett. In der Hand hält sie ihr Handy, jederzeit bereit, auf neue Benachrichtigungen zu reagieren. Unendlich lange Dialoge müssen durchgelesen werden, Tausende von Bildern müssen kommentiert und gelikt werden. Und dann ist da noch dieser nervige Klingelton, wenn man per WhatsApp eine Nachricht bekommt. Immer gibt es etwas Neues. Dranbleiben, sonst versäumt man noch was…

Für Zoë, Claudias beste Freundin, ist der Aufenthalt in den sozialen Netzwerken weniger stressig. Sie ist hübsch, blond und selbstbewusst. Alles Dinge, die Claudia manchmal ein wenig eifersüchtig machen. Zoë hat über das Internet einen coolen Typen kennengelernt. Claudia möchte das auch, aber sie postet keine Selfies, aus Angst, abgelehnt zu werden.

Als Claudia dann in den Urlaub fährt, ist die Furcht groß, etwas zu verpassen. Schließlich gibt es am Urlaubsort kein WLAN. Nach ein paar Tagen merkt sie jedoch, wie glücklich sie ohne ihr Handy sein kann. Sie lernt sogar einen Jungen kennen, in den sie sich verliebt. In diesen Urlaubsszenen erlebt man Claudia ganz anders als in ihrem durchs Handy diktierten Alltag, viel entspannter und friedlicher.

Doch sobald es wieder nach Hause geht, ist das Handy wieder zur Hand. Claudia fällt wieder zurück in alte Verhaltensmuster. Aber hat sich doch verändert, sie hält weiterhin Kontakt zu ihrem Urlaubsflirt. Dadurch steigt das Selbstbewusstsein der ehemals schüchternen Claudia, sie färbt sich sogar ihre Haare.

Der Film wirkt authentisch, gerade weil die beschriebenen Situationen in der heutigen Gesellschaft zum Alltag gehören. Die Rollen sind gut besetzt, man kann sich gut in Claudia hineinversetzen. Glaubwürdig ist sogar die Wendung, dass Claudia nach ihrem Urlaub nicht weiterhin auf ihr Handy verzichtet, obwohl sie doch ohne eigentlich glücklich war. Die sozialen Netzwerke holen (fast) jede und jeden wieder ein.

 

Text: Johanna Menke

Bild: IFFF



Der Beitrag wurde am Samstag, den 23. April 2016 um 14:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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