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No Home Movie – Ein sehr persönlicher Film von Chantal Akerman

IFFF2016_No Home MovieDer letzte Film einer Schlüsselfigur des feministischen Kinos, „No Home Movie“ von Chantal Akerman, zeigt die letzten intimen Momente mit Akermans kurz darauf verstorbener Mutter Natalia. Chantal Akerman reflektierte schon in ihrem ersten Langfilm „Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ (1975) ihre innige Beziehung zu ihrer Mutter, die Auschwitz und die Todesmärsche überlebte, aber erst kurz vor ihrem Tod über ihre Erlebnisse sprechen konnte.

In ihrem letzten Film „No Home Movie“, der 2015 sein Debüt beim „Locarno Film Festival“ feierte, zeigt die Regisseurin in ihrem ganz eigenen Stil die letzten Wochen ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung in Brüssel. Der Film fokussiert vor allem auf die intensiven Konversationen von Mutter und Tochter. Die privaten Gespräche reichen über bizarre Unterhaltungen über ungebundene Schnürsenkel bis hin zu den emotionalen Erinnerungen an Auschwitz. Akerman nimmt den Betrachter in die alltägliche Welt der Mutter mit, indem sie Filmsequenzen unter anderem mit verschiedenen Handykameras oder auch per Skype filmt. Der Film beginnt mit einer vierminütigen Darstellung eines Baumes im Wüstenwind. Wie kann dieser Baum das nur überleben? Laut peitscht der Wind unaufhörlich gegen den dürren Baum – und erst gegen Ende des Films versteht man, dass dieser Baum Chantal Akermans Mutter repräsentiert.

Der Film überzeugt durch die ruhige und besonnene Art, in der er gedreht wurde. Durch die Bilder, die die verwendeten Handykameras erzeugen, und die ungewohnten Einstellungen hat man das Gefühl, ganz nah mit dabei zu sein. Der Film lädt ein, als stiller Beobachter am Leben der beiden Frauen teilzuhaben. Durch das Wissen um den Tod der Mutter kurz nach den Dreharbeiten gewinnen die alltäglichen Situationen und Gespräche an Wert. Selbst herkömmliche Tagesabläufe, die zwar jeder kennt, die aber dennoch so detailliert gezeigt werden, finden in diesem Film ihren sinnvollen Platz. So erschafft die Filmemacherin eine Situation im Kino, die zugleich erdrückend, aber auch berührend wirkt.
Ein sehr persönlicher Film von einer immer schon persönlichen Künstlerin.

Text: Dirk Thieves

Bild: IFFF



Der Beitrag wurde am Samstag, den 23. April 2016 um 20:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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