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„Please Relax Now!“ – ein besonderes Genre im Selbstexperiment

Please Relax NowEin Experimentalfilm – das klingt doch ganz spannend, oder? Für mich zumindest war dieses Genre ein bisher völlig fremdes. Umso gespannter war ich auf „Please Relax Now!“ von Vika Kirchenbauer. In insgesamt zwölf Minuten zeigt der Kurzfilm eine doch sehr ungewohnte Performance und animiert seine Zuschauer, aktiv teilzunehmen. Wie sich das anfühlt, habe ich mir einmal genauer angesehen.

„Glauben Sie mir, Sie werden das hier niemals vergessen […]. Mit Ihrer Zustimmung, lieber Zuschauer, werden Sie in diesem Stück jemand anders werden. Lassen Sie mich Sie am Anfang ein wenig führen …“, so die Regisseurin selbst über ihr Werk. Die Beschreibung klingt verlockend, meine Erwartungshaltung ist dementsprechend groß. Und doch kann ich mir nicht wirklich vorstellen, was mich erwarten wird.

Etwas verunsichert nehme ich im Kinosaal Platz. Nach einem Vorwort von Vika Kirchenbauer selbst erlebe ich mein bisher krassestes Filmerlebnis. In englischsprachiger Originalfassung wird schnell klar, worum es hier geht: Masturbation. Die ersten Minuten zeigen die Regisseurin in einer Porträtaufnahme. Schnell wird der Augenaufschlag sinnlicher, die Schluckgeräusche auffälliger und die Abstände kürzer, in denen sie sich lustvoll auf die Unterlippe beißt. Ist das ein Tabu? Wäre es okay, sich hier die Freiheit zu nehmen und es sich selbst zu besorgen? „Aber ja doch, bitte!“ – eine deutliche Ansage, wenn man der Handlung folgt. Dieser Kurzfilm ist sogar eine wohlwollende und doch sehr direkte Einladung dazu.

Kurz darauf wird die Leinwand schwarz, ich sitze in einem dunklen Kino mit vielen mir fremden Personen. Die Stimme Vika Kirchenbauers erzählt weiter. Die Dunkelheit solle den Prozess erleichtern, die Hemmschwelle merklich sinken lassen. Ich spüre davon allerdings nichts. Ich frage auch meine Sitznachbarn nicht nach deren Empfinden. Ehrlich gesagt schaue ich sie in diesen Minuten nicht einmal wirklich an. Zu befremdlich ist die Vorstellung, sie in entsprechender Handlung zu sehen. Unbehaglich sitze ich also da. Einige gehechelte Minuten später ist der Orgasmus auf der Leinwand dann erreicht und der Film zu Ende.

Nicht, dass (Film-)Kunst keine Bedeutung in meinem Leben hätte. Oh bitte, es gibt so viele beeindruckende und inspirierende Kunstformen. Nur ist es jedem freigestellt, zu welcher man sich hingezogen fühlt. Für mich war „Please Relax Now!“ definitiv eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde und doch eine, die ich nicht wiederholen möchte. Für alle, die offener damit umgehen, sich in diesem Rahmen selbst zu verwöhnen, ist der Film ganz sicher ein Gewinn. So oder so: Beeindruckend, wer davon nicht beeindruckt wird.

Text: Christin Busch
Bild: IFFF

 



Der Beitrag wurde am Samstag, den 23. April 2016 um 21:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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