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Zugvögel – Ein Roadtrip im Rollstuhl

Birds of Passage_photo_10„Ich lasse nicht zu, dass dieses Entlein in einer Pastete endet“, sagt die 12-jährige Margeaux trotzig. Seit sie gesehen hat, wie die kleine Ente aus ihrem Ei geschlüpft ist, hat sie einen festen Entschluss gefasst: Sie will für das kleine Küken sorgen. Die an den Rollstuhl gebundene Protagonistin Margeaux kümmert sich in Olivier Ringers Film „Zugvögel“ (2015) liebevoll um das Tier und geht dabei den ersten Schritt in Richtung Selbstbestimmung.

Margeaux hält das Küken in ihrem Zimmer in einem Koffer versteckt, damit ihre Eltern von ihrem kleinen Untermieter nichts mitbekommen. Doch schon nach kurzer Zeit bemerken sie den kleinen Vogel und beschließen, dass Margeaux mit der Pflege des Jungtiers überfordert ist. Ohne ihre Einwilligung bringen sie das Küken zu einer Vogelfarm. Als Margeaux erfährt, wo sich ihr Entlein befindet und unter welchen grausamen Bedingungen es dort gehalten wird, schmiedet sie gemeinsam mit ihrer Freundin Cathy einen Plan: Sie wollen ihr Entlein aus der Farm befreien und zu seinen Gleichgesinnten ins „Vogelparadies“ bringen. Und so stehlen sich die beiden Freudinnen heimlich von Zuhause weg und begeben sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip.

Der Spielfilm aus dem Jahr 2015 verbindet zwei wichtige gesellschaftliche Themen: die Erziehung von Kindern mit Behinderung und die industrialisierte Massentierhaltung. Der belgische Regisseur Olivier Ringer versucht in diesem harmonischen Film zu zeigen, dass Menschen mit Behinderung oftmals viel zu wenig zugetraut wird. Anhand der Figur der behinderten Margeaux zeigt der Film, dass körperlich eingeschränkte Menschen häufig nicht als autonome Personen angesehen werden. So entscheiden ihre Eltern über ihren Kopf hinweg, dass sie nicht fähig sei, ein Lebewesen zu versorgen.

Auch auf den Aspekt der Massentierhaltung wird in dem Film großes Augenmerk gerichtet. Die zwei Mädchen begreifen erst, was Massentierhaltung eigentlich bedeutet, als sie es mit eigenen Augen sehen. Um das Küken vor dem sicheren Tod zu bewahren, nehmen die beiden Mädchen ein risikoreiches Abenteuer auf sich, das ihre Freundschaft umso mehr festigt.

Der Film lief am Freitag, 22. April, im diesjährigen Schulfilmprogramm des IFFF im Filmforum.

Text: Lilith Michels

Bild: IFFF

 



Der Beitrag wurde am Samstag, den 23. April 2016 um 09:30 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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