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„Alba“ – Mitreißendes Debüt aus Ecuador

IFFF2016 AlbaAlba ist 11 Jahre alt, schüchtern und wird in der Schule teilweise gemobbt. Den Vater hat sie nicht mehr gesehen, seit sie drei Jahre alt war. Und zu ihm soll sie nun ziehen, da ihre Mutter schwer krank ist. Eine schwierige Annäherung zwischen Vater und Tochter, die Komplikationen der beginnenden Pubertät, der erste Kuss im Leben eines Mädchens – dieser Film ist eine kleine Perle der Filmkunst.

Die 11-jährige Alba lebt mit ihrer Mutter in einem Ort irgendwo in Ecuador. Wo genau, erfährt der Zuschauer nicht. Die Mutter ist bereits schwer krank und liegt fast den ganzen Tag im Bett. Für die Schule macht sich Alba allein fertig, meistens kleidet sie sich in schlichtem grauen Jogginganzug und weißem T-Shirt. Schon an dieser Stelle unterscheidet sie sich von ihren etwas frühreifen Mitschülerinnen, die sich über Alba lustig machen. Jungs, Schminke, Küssen – das alles sind Themen, die Alba fremd sind.

Eines nachts geht es Albas Mutter schlechter, sie muss ins Krankenhaus gebracht werden. Alba hingegen muss genau in den Anfängen ihrer Pubertät zu der Person, die sie nicht wirklich kennt und zu der keinerlei Beziehung besteht: ihrem Vater. Es kommt wie es kommen muss. Für Alba und auch ihren Vater entstehen einige unbeholfene Momente, teils höchst peinlich für ein kleines Mädchen, das an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht.

Beispielhaft ist die Szene, in der der Vater für Alba Binden kaufen muss, weil sie zum ersten Mal ihre Tage bekommen hat. Hier wird erneut sichtbar, dass auch der Vater mit der ganzen Situation zunächst überfordert ist. Auf die Frage der Verkäuferin, welche Binden es denn sein sollen, antwortet er: „Keine Ahnung, irgendwelche für kleine Mädchen eben!“ Männliche Zuschauer, die selbst Töchter in Albas Alter haben, werden vermutlich verständnisvoll nicken und mitfühlen.

Ana Cristina Barragán (Regisseurin des Spielfilms "Alba")

Die anfänglich große Distanz zwischen Vater und Tochter, die zaghafte Annäherung und die Schwierigkeiten der Pubertät – all das wird großartig in Szene gesetzt von Regisseurin Ana Cristina Barragán. Doch der Star des Films ist und bleibt die Hauptdarstellerin, die junge Macarena Arias. Sie spielt Alba mit einer eindrucksvollen Intensität, sie benötigt nicht einmal viele Worte, um den Zuschauer zu berühren. Ihre Mimik, selbst in ihrer oft starken Ausdruckslosigkeit, spricht doch in vielen Szenen für sich. Ihre Hilflosigkeit, Schüchternheit, die Versuche, auf ihre Mitschülerinnen zuzugehen: Mehr als einmal möchte man Alba in den Arm nehmen und einfach fest drücken.

„Alba“ ist ein bewegender Film und ein Geheimtipp des diesjährigen Internationalen Frauenfilmfestivals. Ein Kleinod der ecuadorianischen Filmszene ist er in jedem Fall. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen.

Text: Steffi Karrenbrock
Bilder: IFFF Dortmund|Köln



Der Beitrag wurde am Sonntag, den 24. April 2016 um 16:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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