Ein Projekt des Studiengangs Online-Redakteur
an der Technischen Hochschule Köln
Bild von vielen Wollhandschuhen in einer Reihe
 
 
Zurück zur Startseite

Camera Obscura – Eine Reise in die Dunkelheit

WS_Camera_Obscura„Es freut mich, dass sie das Risiko auf sich nehmen, mit uns auf diese Reise zu gehen“, sagt die Sängerin Zofia Bartoszewicz. Barfuß steht sie in dem abgedunkelten Raum vor ihrem Mikrofon, kreisförmig umgeben von ihren Zuschauern, die gespannt auf ihre Performance warten. Die polnische Schauspielerin und Sängerin hat eine außergewöhnliche Art, ihre Musik zu präsentieren –  in der Dunkelheit.

„Jeder Ton erzeugt ein Bild in unserem Kopf. Deswegen schließe deine Augen und lasse die Musik auf dich wirken“, erklärt Bartoszewicz, bevor sie mit tiefer Stimme anfängt zu summen. Während die Sängerin den Raum mit ihrer kraftvollen Stimme erfüllt, wird sie von Saba Krasoczko auf einem alten Akkordeon aus Holz begleitet. Ihre Performance entsteht aus der Empfindung von Stimmung und Situation, was den fließenden Wechsel zwischen ruhigen und kraftvollen Passagen erklärt. Das Publikum gibt sich den Tönen hin und lässt der Imagination im Kopf freien Lauf. Ihre Lieder singt Bartoszewicz in keiner bestimmten Sprache, sondern erfindet durch die unterschiedlichsten Töne eine eigene. Nach dem ersten Stück machen die beiden Musikerinnen eine kurze Pause. „Was habt ihr gesehen auf dieser Reise?“, fragt die Sängerin. Eine Frau meldet sich zu Wort und erzählt von einer Berglandschaft, in der eine Frau mit einem Esel einen schmalen Weg hinauf wandert. Nach einem kurzen Moment durchbricht Bartoszewicz plötzlich die Stille. Sie fängt an, wie ein Esel zu wiehern, während ihre Begleitung auf dem Akkordeon spielt. Das Publikum verfällt kurz in leises Kichern, hört dann jedoch weiter gespannt zu.

Bartoszewicz kreiert eine Performance improvisierter Musik, die wohl kaum einer ihrer Zuhörer jemals auf eine solch außergewöhnliche Weise erlebt hat. Die beiden Musikerinnen haben durch ihre Musik das Publikum zum Lachen gebracht, aber auch durch emotionale Passagen zu Tränen gerührt. Ihre unerwartete akustische Performance hat auf eine Reise tief in die eigene Seele eingeladen. Eine Performance, bei der das Publikum selbst zum Regisseur wird.

Die Performance fand am Samstag, 23. April, im Alten Pfandhaus, statt.

Text: Lilith Michels
Bild: IFFF



Der Beitrag wurde am Sonntag, den 24. April 2016 um 20:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Kommentarfunktion ist deaktiviert