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„God is not working on sunday!“ – Aufarbeitung in Ruanda

God is not working on sunday!Vor über 20 Jahren geschah der Genozid in Ruanda. Damals beging die Hutu-Mehrheit einen 100 Tage andauernden Völkermord an der Tutsi-Minderheit. Schätzungen gehen von 800.000 bis 1.000.000 Toten aus. Heute ist die Lage im Land immer noch angespannt. Täter und Opfer leben nebeneinander. Der Film „God is not working on sunday!“ von Leona Goldstein befasst sich mit der geschlechterbezogenen Traumaverarbeitung sowie dem Umgang mit dem Völkermord und sexualisierter Kriegsgewalt.

Während des Genozids in Ruanda fanden Vergewaltigungen, Genitalverstümmelungen und gezielte Infizierung mit HIV statt. Der Film geht von 5.000 Vergewaltigungen täglich aus. Frauen, die durch die Vergewaltigungen während des Völkermords schwanger wurden, werden noch heute in der Gesellschaft stigmatisiert. Sie und ihre Kinder haben damit zu kämpfen, dass sie lebende Erinnerungen an den Genozid sind. Godeliève, eine der beiden Protagonistinnen, setzt sich dafür ein, dass Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden, offen darüber sprechen. Sie kämpft gegen die Stigmatisierung von Vergewaltigungsopfern. Eine Frau aus Godelièves Selbsthilfegruppe erzählt in einer Szene, wie sie während der Schwangerschaft und nach der Geburt ihres Kindes von Bekannten misshandelt wurde. Zwischen diese erschreckenden Szenen werden im Film immer wieder Bilder geschnitten, die den Straßenverkehr und die Natur des Landes zeigen. Man hört dazu die gut gemachte, zugleich aber auch bedrückende Filmmusik. Das Publikum bekommt so Zeit, über das Gesehene nachzudenken und sich in die Lage der betroffenen Menschen hineinzuversetzen.

Die 55-jährige Florida versucht die patriarchischen Strukturen im Land aufzulösen und Frauen dazu zu ermutigen, für sich selbst zu sorgen. Seit 2008 bilden Frauen die Mehrheit im Parlament, ein globaler Einzelfall. Durch diesen Einfluss wurden auch die Rechte der Frauen gestärkt. Die Regierung setzt sich stark für Versöhnung ein. Sie unterstützt die Einwohner des Landes mit der Einrichtung von Versöhnungsgruppen. In diesen Gruppen treffen Opfer und Täter wieder aufeinander. Wer sich kritisch zum Versöhnungsprozess äußert, kommt ins Gefängnis. Der Film zeigt, wie ein Mann, der die Tochter und den Ehemann einer Frau umgebracht hat, bei der Frau um Vergebung bittet.

In 83 Minuten erzählt Leona Goldstein von ihren Erlebnissen als weiße Frau mit der Kamera in dem zerrütteten Land. Die Bilder sind vor allem mit einer Handkamera gedreht. Goldstein filmte selbst und ohne Team. In den anschließenden Schnittprozess wurden die Protagonistinnen mit einbezogen.

„God is not working on sunday!“ macht Versöhnungsprozesse und den Einfluss von Frauen auf Konfliktlösungsstrategien zu einem zentralen Thema. Der Film hat bereits sechs internationale Auszeichnungen bekommen.

Text: Tjark Lengert

Foto: IFFF Dortmund|Köln



Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 27. April 2016 um 17:52 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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