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Monitoring Seaborders – Die unsichtbare Grenze

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Der Film „Monitoring Sea Borders“ ist einer der Kurzfilme aus der IFFF-Reihe „In the Future. Unwägbarkeiten der Identität oder die Kontrolle der Freiheit“. Es geht um die Bewachung einer physisch nicht erfassbaren Grenze, die mitten durch das Mittelmeer läuft. Susanna Schönberg, die Regisseurin, hat hiermit ein ganz eigenes Werk geschaffen.

Zwei Bildschirme stehen auf einem Schreibtisch. Vor den Bildschirmen sieht man eine Hand, die einen Steuerknüppel führt. Durch den Raum werden laufend Zahlen gerufen. Der Zuschauer bekommt wenig bis gar keine Informationen zum beobachteten Geschehen. Das einzige, was man erfährt, ist der Ort, an dem die Bildschirme stehen: ein Überwachungsraum in Algeciras, Spanien. Algeciras liegt an der Straße von Gibraltar. Von hier aus kann man direkt auf das Festland von Afrika blicken, was diesen Ort besonders attraktiv für Flüchtlinge macht.

In den ersten Minuten des Filmes hört man den Gesprächen mehrerer Männer zu, die versuchen, Schlepper mit ankommenden Flüchtlingen zu überwachen. Meistens können diese nicht direkt auf dem Wasser abgefangen werden, sondern werden an Land von der Polizei empfangen. Man hört die Anspannung der Wachmänner heraus – anscheinend ist nicht genug Personal vorhanden, um alle Boote in Empfang zu nehmen. Wenn dann in einem der Boote bei zwei Frauen die Wehen einsetzen, ist das eine zusätzliche Komplikation. Für die Aufsicht über die Geburten und die Überwachung der Frauen wird Krankenhauspersonal angefragt. Fast ununterbrochen werden Zahlen hin und her gerufen: PS-Zahlen der Schlepperboote, die Menge der Flüchtenden – oder es wird die 201. Überquerung der Grenze zwischen Spanien und Marokko an diesem Tag zu Protokoll gegeben.

Die Szene ist nach einigen Minuten beendet, ohne dass die Zuschauer auch nur einmal eine Person zu Gesicht bekommen hätten. Damit lässt die Regisseurin den Film ohne Hauptdarsteller, ohne direkten menschlichen Bezug stehen. Die Kamera ist statisch.

In der zweiten Szene sieht man aus einem Schiffsfenster auf das Mittelmeer hinaus. Das Schiff ist so schnell, dass nach einiger Zeit mit einem ruckartigen Schub die Kamera umfällt – und liegenbleibt. Nun haben die Zuschauer durch die schräge Kameraperspektive das Gepäck im Blick. Die Regisseurin spielt hier wieder mit den Erwartungen des Publikums, denn die nächste Einstellung zeigt nicht etwa die Rettung von Flüchtlingen, sondern die umgefallene Kamera markiert das Ende des Filmes.

Susanna Schönberg hat ihr ganz eigenes Werk produziert und spielt bewusst mit den Erwartungen der Zuschauerschaft. Nicht jeder wird den Kurzfilm mögen, weil er weder einen starken Plot noch einen herausstechenden Hauptdarsteller hat. Aber er zeigt die Geschehnisse an der Seegrenze unverfälscht und  realistisch.

Text: Oliver Schönstein
Bild: IFFF



Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 27. April 2016 um 16:04 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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