Ein Projekt des Studiengangs Online-Redakteur
an der Technischen Hochschule Köln
Bild von vielen Wollhandschuhen in einer Reihe
 
 
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„Fake it until you make it“ – Werkstattgespräch Bildgestaltung

Quelle:IFFF

Das Werkstattgespräch Bildgestaltung ist traditionell einer der Höhepunkte des Frauenfilmfestivals. Die renommierte Bildgestalterin Sophie Maintigneux führte am Samstag im Kino Odeon durch einen vierstündigen Austausch mit ihrer Kollegin Sonja Rom. Dabei ging es um die besonderen Erlebnisse am Set und konkrete Berufserfahrungen der Kamerafrau. Das Gespräch wurde durch viele Filmausschnitte ergänzt und bot neben einer ausführlichen Analyse auch ausreichend Möglichkeiten für Fragen aus dem Publikum.

Durch das langjährige Engagement der gebürtigen Französin Sophie Maintigneux wird dem Festival eine ganz besondere Ehre zuteil. Die seit 1984 als Bildgestalterin tätige Maintigneux ist zweifache Preisträgerin des Deutschen Fernsehpreises und Professorin an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für über 70 Spiel- und Dokumentarfilme hat sie bereits hinter der Kamera gestanden und dabei mit Eric Rohmer, Jean-Luc Godard, Michael Klier und vielen anderen zusammengearbeitet. Ihre Kollegin Sonja Rom studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb) in Berlin. Anschließend ging sie für ein Jahr in die USA, um am American Film Institute in Los Angeles ihr Wissen über die amerikanische Art, Filme zu machen, zu vertiefen. Mit dem Kinofilm „Mädchen am Ball“ debütierte Rom 1995 als Kamerafrau. 2007 war sie mit ihrer Arbeit für die preisgekrönte Detektivserie „KDD – Kriminaldauerdienst“ für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Im Fokus des Werkstattgesprächs steht die konkrete Kameraarbeit von Bildgestalterinnen. Die Filme von Sonja Rom werden anhand von kurzen Einspielern analysiert und fachlich aufgelöst. Rom spricht über eine Szene mit „Special Effects“, bei der sie einen Autounfall in Slow Motion filmte. Es sollte so aussehen, dass sich im Auto die Schauspielerin und ein lebendiger Affe befinden, die in Zeitlupe hin und her fliegen. Unter enormem Aufwand wurde diese Szene mit einem Stuntman gedreht, während die Aufnahmen aus dem Innenraum des Fahrzeugs zwei Wochen später im Studio nachgedreht werden mussten. Die Schwierigkeit bestand darin, das kleine Totenkopfäffchen dazu zu bewegen, nicht noch schneller durch das Bild zu huschen, als es das ohnehin schon tat. Rom räumt lachend ein, dass es kaum möglich gewesen sei, die Schärfenebene so zu erwischen, dass das Tier wenigstens für einen kurzen Moment scharf zu sehen ist. Im späteren Schnitt kam die nächste Herausforderung auf sie zu. Die Close Ups der Schauspielerin mussten mit den Außenschüssen des Unfalls so gemixt werden, dass die Blickrichtungen und -winkel perfekt zusammenpassen. Obwohl der Techniker des Studios vergaß, die Greenscreenplatten zu nummerieren, damit sie später zugeordnet werden konnten, passte letztendlich alles zusammen und die Szene war im Kasten.

Danach spricht Rom noch über Filmbudgets, die immer zu knapp sind, um sie einzuhalten, den enormen Zeitdruck, der dadurch entsteht, und wie wichtig Lichtsetzung beim Film ist. Zum Abschluss geht Maintigneux auf den Frauenanteil beim Film ein. Ca. 8 % bei ZDF-Produktionen, 11 % bei ARD-Produktionen und 19 % bei Kinofilmen beträgt der Frauenanteil von Regisseurinnen. Ob eine verpflichtende Frauenquote bei Produktionen der richtige Weg sei? Da sind beide unentschlossen. Wichtig sei jedoch, dass sich die Frauen nicht behandeln lassen, als seien sie weniger wichtige Akteure am Filmset. „Fake it until you make it“, das ist das Motto von Sonja Rom: Brust raus, Rücken gerade und mit Verantwortung seine Aufgaben erledigen – auch wenn man sich ihnen nicht immer gewachsen fühlt.

 

Text: Janis Witting
Bild: IFFF



Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 27. April 2016 um 17:51 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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