Lass mich mal zu Wort kommen! „I speak so you dont speak for me“

Was heißt es heute, für sich selbst zu sprechen und zu Wort zu kommen? Der Workshop „I speak so you dont speak for me“ fand am 14. und 15. April statt, dort wurde nach Antworten auf diese Frage gesucht. Am Abend der Preisverleihung wird das Projekt vorgestellt und gezeigt. Unter der Leitung der Filmemacherin und früheren Fotojournalistin Britta Wandaogo arbeiten acht Teilnehmer*innen an kleinen Videoprojekten und versuchen herauszufinden: Was will ich erzählen und wie? Ich wollte mir selbst ein Bild machen und habe die kleine Arbeitsgruppe besucht.

Es ist Sonntag, ich stehe vor dem Ebertplatz und sehe schon die zwei kleinen Busse von Paradise Park und der Hochschule Düsseldorf, die zu dem Workshop gehören. An Equipment fehlt es hier nicht. Noch weiß ich nicht, was ich mir unter diesem Workshop vorstellen kann. Auf dem Platz angekommen, werde ich offen empfangen und kann schon den Tatendrang der Teilnehmer*innen spüren und sehen. Der Ebertplatz ist für mich ein eher hartes Pflaster. Ich habe einige Berichte gelesen und verbinde ihn mit Kriminalität und Drogen. Für Filmemacherin Britta Wandaogo ist das nicht so: „Was du liest, ist nicht immer das, was es ist, und es gibt viele Perspektiven auf Sachverhalte. Ich fand den Platz immer gut, ich mag diese Architektur und ich finde, hier kann auch viel Positives passieren. Man muss sich auch mal selbst einbeziehen, aber es ist auch ein schwieriger Schritt.“ Unter der Leitung von Britta suchen die Jungs und Mädels nach verschiedenen Möglichkeiten, ihrer Stimme ein Format zu verleihen. Für viele stellt sich die Frage: „Was will ich denn eigentlich erzählen?“ Britta möchte mit dem Workshop jungen Erwachsenen Impulse geben, selbst zu sprechen. „Es wird immer viel über die Jugend geredet, sie haben zwar die Möglichkeiten, aber ergreifen nicht das Wort. Raus aus den vier Wänden und rein in den öffentlichen Raum, da wo was los ist und wo man miteinander interagieren kann.“ Ich merke recht schnell, dass ständig etwas Neues passiert, sei es, dass eine neue Szene gedreht wird oder eine neue Idee umgesetzt wird. Eine Gruppe beschäftigt sich mit der Kamera, die anderen zeichnen sich gegenseitig, während andere Mitwirkende Töne und Geräusche einsammeln. Es wird nicht nur ein Format gewählt, sondern die Teilnehmer*innen suchen sich verschiedene Medien, durch die sie sprechen wollen.

Marja kommt aus Hamburg, studiert Soziologie und ist für den Workshop nach Köln gekommen. Ihr gefällt die Arbeit mit der Kamera bisher sehr gut „Ich habe gemerkt, dass ich Hürden und Grenzen, die ich vorher hatte überwinden konnte. Gerade wenn es darum geht, mit der Kamera auf Leute zuzugehen. Ist das jetzt unhöflich oder zu aufdringlich? Letztendlich habe ich den Schritt gewagt und es ist eine super coole Situation entstanden.“ Für Marja sind es positive Erlebnisse, die sie mitnehmen kann. Der Workshop hat ihr geholfen, indem sie auch mal fernab von verkopftem Denken gehandelt hat. „Durch die Arbeit wurde ich immer lockerer, meistens kommt man nur weiter, wenn man sich mit der Kamera einfach ausprobiert.“ Die Stimmung ist ausgelassen, viele Leute bleiben stehen, schauen dem Geschehen zu, kommen und fragen nach, was hier produziert wird oder beziehen sich spontan ein. Ich bin positiv überrascht und genieße diese Atmosphäre, überall entstehen kleine Szenen, es wird sich ausgetauscht und zugehört.

Nun werde auch ich Teil des Ganzen. Gemeinsam mit Marja lasse ich mich auf ein kleines Experiment ein. Sie hält die Kamera auf mich gerichtet und fragt mich: „Was fühlst du, wenn du hier auf diesem Platz stehst?“ Ich mache die Augen zu und muss erstmal etwas lächeln, das ist gar nicht so einfach, wenn man beobachtet wird und der Fokus auf einen selbst gerichtet ist. Lange denke ich darüber nach, was ich entgegnen soll, was will sie jetzt hören? Ich fühle mich unter Druck gesetzt, da ich wirklich nicht weiß, was eine gelungene Antwort wäre. Deswegen entscheide ich mich erstmal, zuzuhören und die Frage beiseite zu schieben. Die Geräusche in meiner Umgebung werden auf einmal intensiver, Autos, Gespräche und diverse Klänge. Trotzdem fehlen mir die Worte, meine Gedanken zusammenzufassen soll „Ich kann dir leider keine Antwort geben.“ Für Marja ist das okay. Ich merke selbst, wie schwierig die Frage „Was will ich erzählen?“ ist. Zudem fällt mir auf, dass es auch problematisch sein kann, genau hinzuhören. Nicht nur Sprechen, sondern auch richtiges Zuhören ist unentbehrlich. Menschen machen sich viel Mühe zu sprechen, sie wählen verschiedene Formate, müssen sich vielleicht überwinden und wenden viel Energie auf, um Gehör zu finden.

Dieser Workshop ist für die Teilnehmer*innen mehr als nur das Arbeiten mit und vor der Kamera. Sie beschäftigen sich mit politischen Themen, setzen sich mit ihrer inneren Haltung auseinander, lernen richtig hinzuhören und was es bedeutet, für sich selbst zu sprechen.

Von Karla Wagner

 

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