„Genderbende“: Leben außerhalb der Geschlechter

Mann, Frau, heterosexuell, homosexuell, bisexuell, asexuell… Es liegt in der Natur des Menschen, anderen Labels aufzudrücken, sie in eine Schublade stecken zu wollen, um sie einzuordnen. Doch was ist mit den Menschen, auf die keines dieser Labels passt? Sophie Dros zeigt in ihrem Film Genderbende fünf junge Menschen, die außerhalb von Labels leben.

„Wenn ich zum Bäcker gehe, dann möchte ich dort keine Geschlechtersachen. Ich gehe zum Bäcker, weil ich Brot kaufen möchte“, sagt Selm, Sophie Dros‘ erster Protagonist. Aufgrund seiner sanften Gesichtszüge und seiner langen Haare wird er oft für eine Frau gehalten. Anne und Lisa sind als Frauen geboren, doch sie frisieren und kleiden sich so wie die meisten Männer es tun. Dennis ist als Mann geboren. Er hat lange Haare, trägt ein Kleid und Lippenstift – und dazu Bart. Sie alle stellen die gesellschaftlichen Labels in Frage, denn ihre Identität liegt auf einer Skala, auf der männlich und weiblich nur zwei Pole mit viel freiem Raum dazwischen sind.

Der niederländische Dokumentarfilm Genderbende von Sophie Dros beleuchtet den Alltag dieser Personen und die Probleme, die ihr unkonventionelles Auftreten mit sich bringen kann. Die Umwelt reagiert oftmals irritiert. Sei es eine feindliche oder eine neugierige Reaktion, irgendetwas scheint ihnen zu sagen, dieser Mensch ist anders. Sie finden kein Label, dass sie diesem Menschen aufdrücken können und sind deshalb unsicher, wie sie sich verhalten sollen.

Diese Unsicherheit mag zum Teil verständlich sein. Schließlich sieht man nicht jeden Tag einen Mann, der in ein Nagelstudio geht, um sich lange bunte Nägel machen zu lassen. Doch genau das zeichnet diese Menschen aus: ein Denken, Empfinden und Handeln außerhalb der Geschlechter. In „Gesprächen“ mit der Kamera beschreiben Anne, Lisa, Dennis, Lashawn und Selm ihr Empfinden und ermöglichen dem Zuschauer so einen Einblick in ihre Welt sowie die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen.

Sophie Dros sagt dazu: „Dieser Film erzählt von Menschen, die ihr Äußeres verändern, so dass es zu ihrem inneren Empfinden passt.“ Unterstützt wird der Film von Musik von Thomas Goralski. Weil die Filmmusik auf Dissonanzen setzt, vermittelt sie dem Zuschauer passend zur Thematik eine leichte Verwirrung. Die Kameraführung ist ruhig und auf die Protagonisten und ihre Ausführungen fokussiert, sei es im Nagelstudio, am See oder in der eigenen Wohnung.

Sophie Dros ist es gelungen, die faszinierenden Persönlichkeiten ihrer Protagonisten einzufangen. Offen bleiben Fragen für uns alle: Wo auf der Skala befindet sich jeder einzelne von uns? Passen wir noch exakt in Labels und vorgefertigte Raster oder sind sie unnötig geworden?

Ihr könnt euch den Film am 25.4.2018 um 21.30 Uhr in der Filmpalette Köln ansehen. Wer zuvor bereits hineinschnuppern möchte, findet hier den Trailer.

Von Jana Barina

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