Sookee macht es vor – Feminismus im Hip-Hop

Der Jubel ist deutlich zu hören. Die Bühne wird von Lichtern bestrahlt, bevor der Beat einsetzt und eine maskierte Frau mit Mikrofon in der Hand die Bühne betritt. Es ist Sookee. Nora Hantzsch, mit bürgerlichem Namen, ist eine Rapperin. Sie ist in der ehemaligen DDR geboren und in West-Berlin aufgewachsen. Sookee ist für ihre queerfeministischen Texte bekannt, in denen sie sich gegen Homophobie und Sexismus engagiert. Ihr Engagement macht sich allerdings nicht nur in der Musik bemerkbar – wie Kerstin Polte in ihrem Dokumentarfilm Sookee – Von Seepferdchen und Schränken zeigt.

Zuletzt hat Sookee eine Petition ins Leben gerufen. Die Bewegung unter dem Hashtag #no120db richtet sich gegen Frauen von der Identitären Bewegung, die sich unter dem Deckmantel der #metoo-Debatte über Überfremdung und sexuelle Übergriffe beschweren, die sie allerdings ausschließlich ausländischen Tätern zuschreiben. Schnell wird klar, dass es ihnen hierbei nicht ernsthaft um die Opfer geht, sondern um rassistische Zuschreibungen. Mit der starken Aussage: „Ihr seid nicht für Frauenrechte, ihr seid rechte Frauen“, hat Sookee lyrisch ein klares Zeichen gesetzt.

In dem kurzen Dokumentarfilm von Kerstin Polte sieht man Sookee auch von einer anderen Seite. Sie berichtet über ihre Depression, man sieht sie in intimen Gesprächen mit ihrer Mutter. Man erhält ebenfalls Einblicke in die Entstehung ihrer Kunst. In einer Szene sitzt sie auf einer Tischtennisplatte in einem Park und schreibt einen Song für eine gleichgeschlechtliche Hochzeit, auf die sie eingeladen wurde. Für ihre Fans ist Sookee eine wahre Kämpferin. „Sie ermutigt, auch im Alltag den feministischen Gedanken miteinzubauen und dafür zu kämpfen“, schwärmt ein Fan nach dem Konzert.

Mit ihrer Kunst bewegt sie sich in einer reinen Männerdomäne, in der Misogynie und Homophobie großgeschrieben werden. Mit Texten männlicher Rapper wie etwa „Es gibt keinen Gang-Rape, nein, ich bin so korrekt und bring‘ dich heim“ des Rappers Bausa im Song „Bambi“ wird die sexuelle Selbstbestimmung der Frau zunichte gemacht. Übrigens hat Bausa eine große weibliche Fanbase. Sookee kämpft genau dagegen an, denn sie verbindet Feminismus und Hip-Hop. „Feminismus ist einfach mein Wind in meinem politischen Rücken“, sagt sie.

Der Dokumentarfilm Sookee – Von Seepferdchen und Schränken zeigt eine gelungene Mischung aus Monologen und Live-Auftritten; als Zuschauer*in erhält man einen kurzen, aber doch persönlichen Eindruck von der Künstlerin Sookee.

Der Film wird im Rahmen der Queer Feminist Shorts am Samstag, 28.4.2018, im Filmforum gezeigt. Sookee wird um 14 Uhr höchstpersönlich am Diversity Standards Panel Talk teilnehmen und im Anschluss, um 16 Uhr, gemeinsam mit der Regisseurin Kerstin Polte den Dokumentarfilm vorstellen.

Von Destina Zülfikar

 

 

 

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