„Jede Idee kommt im Netz zu Wort“: Queer vernetzt in Bild und Ton

Am Donnerstagabend hieß es im Alten Pfandhaus: Queer vernetzt in Bild und Ton. In der gleichnamigen Podiumsdiskussion stellten fünf Frauen ihre Projekte vor: Katharina Plaßmann, Kira Splitt und Stephanie Weber von The Queer L-Vlog, Laura Chlebos vom Blog Feminismus im Pott und die Regisseurin der Webserie Mixed Messages, Kanchi Wichmann. Sie diskutierten unter anderem, was das Internet für queer-feministische Projekte bietet, und berichteten, was ihre Projekte ausmacht und wie sie dazu gekommen sind.

Die Podiumsdiskussion Queer vernetzt in Bild und Ton began mit einem Beitrag vom YouTube Kanal Berliner Farben von Poliana Baumgarten, die nicht persönlich erscheinen konnte. In ihren Beiträgen stellt sie Personen vor, die zur LBGT-Community gehören und schafft so einen Raum für Kreativität, Unterstützung und Wachstum: zum Beispiel Hoe_Mies, eine Gruppe, die sich mit Hip-Hop-Partys beschäftigt. Sie setzen den Fokus auf weibliche, nicht-binäre und transgeschlechtliche DJs, um die Hip-Hop-Szene inklusiver zu gestalten und die männliche Dominanz in der Szene aufzubrechen.

Stephanie Weber

Was bietet das Netz für queer-feministische Projekte? Stephanie Weber, Gründerin von The Queer L-Vlog, nannte als ersten Punkt die hohe Reichweite. Sie gründete den Vlog, weil es diese lesbisch-queere Perspektive zuvor in der Form nicht gab und sie sich nicht repräsentiert fühlte. Ihre Videos basieren auf dem Prinzip, dass es in jeder Folge ein zentrales Thema gibt, über das drei Vloggerinnen rätseln. Ein Psychologe erklärt Fakten zum Thema; anschließend kommen eine Reihe von Rolemodels zu Wort, die ihre persönliche Sicht zum Thema beschreiben. Bei zwei Frauen auf dem Podium im Alten Pfandhaus, Katharina Plaßmann und Kira Splitt, handelte es sich um Rolemodels.

Laura Chlebos

Laura Chlebos vom Blog Feminismus im Pott ergänzte: „Die Hürden sind nicht so groß im Netz.“ Man könne nicht so einfach einen Artikel in einem klassischen Print-Medium veröffentlichen oder einen Film drehen, aber ein Blog könne man unterhalten, ohne zuvor spezielle Kenntnisse erworben zu haben. Sie gründete Feminismus im Pott, weil es bis dahin wenig feministische, sondern viel mehr anti-feministische Gruppen und Organisationen im Netz gegeben habe und sie dem entgegensteuern wollte. Regisseurin Kanchi Wichmann sagte dagegen, dass das Netz durchaus auch eine Hürde sein kann, weil es beispielsweise keine Förderung oder Finanzierung gibt. Allerdings brauche man für einen Beitrag im Netz auch zumeist weniger Geld.

Diskutiert wurde auch die Frage, welche Rolle audiovisuelle Beiträge für den Aktivismus spielen. Plaßmann sagte dazu, dass man zu dem Thema wenig Material im Mainstream findet. Das Internet sei deshalb „ein großes Fass“ und Projekte schnell ansetzbar. Chlebos stimmte dem zu: „Jede Idee kommt im Netz zu Wort.“ Sie fügte hinzu, dass die Erreichbarkeit sehr groß sei, weil viele Jugendliche YouTube auch als Suchmaschine nutzen würden. Auch Wichmann teilte diese Meinung und betonte die Vielfältigkeit, die das Netz zu bieten habe. Laura Chlebos sprach ein paar YouTube-Empfehlungen aus: Ari Fitz, MilesJaiProductions und Genders*.

Kanchi Wichmann

Weiter ging es mit einem Trailer zu The Queer L-Vlog und einem Trailer zu Mixed Messages. Kanchi Wichmann plauderte aus dem Nähkästchen und berichtete, dass die Aufnahmen für Mixed Messages als Projekt unter Freunden gestartet seien, „um blöde Situationen zu entschärfen, damit man darüber lachen kann“. Im Anschluss wurde die erste Folge von Mixed Messages gezeigt.

Katharina Plaßmann und Kira Splitt

Als krönenden Abschluss der Podiumsdiskussion gab es die Premiere der neuen Folge von The Queer L-Vlog, die bis dahin unveröffentlicht war. Die Folge beschäftigte sich mit den Auftritten von lesbisch-queeren Personen in Kinofilmen und kann bald wie alle anderen Folgen auf YouTube angesehen werden.

Von Jana Barina

Fotos: Guido Schiefer

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