„Moment mal – Alles Typen!“ – Gendergerechtigkeit in der Filmbranche

Im Alten Pfandhaus hieß es am 28. April einmal mehr: Diskutieren erwünscht! Diesmal zum Thema Some like it equal – Gendergerechtigkeit in der Filmbranche. Silke Räbiger führte durch die Diskussion, zu der als Gäste Grit Lemke von Pro Quote Film, Simone Stewens von der internationalen filmschule köln (ifs) und Katja Rivas Pinzon von CinematographersXX in der Runde saßen. Sie stellten ihre Projekte vor und diskutierten über ihre Pläne, wie diese Projekte die Filmbranche in Bezug auf die Geschlechterverteilung verändern sollen. Auch das Publikum war gefragt: Jede und jeder konnte sich durch Fragen und Anmerkungen oder sogar Vorschläge einbringen. Es entstand ein angeregtes Gespräch.

Grit Lemke von Pro Quote Film war als Vertretung für Barbara Teufel gekommen, die erkrankt war. Lemke gehört mit zur Kerngruppe von Pro Quote Film, die sich ursprünglich aus Pro Quote Regie gebildet hat. Sie beschrieb, dass es einzelne Sektionen gibt, die sich mit verschiedenen Unterthemen beschäftigen: zum Beispiel Kamera, Regie, Drehbuch, Produktion … Alle Sektionen setzen sich für Gendergerechtigkeit ein, indem sie  Genderkompetenz durch Schulungen und Workshops fördern. Sie unterhalten einen Forderungskatalog, der zehn Punkte umfasst, darunter auch die Vereinbarkeit von Beruf und Kind. Das langfristige Ziel sei, eine Stiftung zu gründen, um Frauen in der Filmbranche finanziell besser fördern zu können. Im Aufbau seien noch Sektionen wie Filmvermittlung und Filmwissenschaft.

Die Internetplattform CinematographersXX wurde von Katja Rivas Pinzon vertreten. Die Plattform ist nicht direkt mit Pro Quote Film verbunden, aber viele Mitglieder der Plattform sind auch Mitglied bei Pro Quote Film. CinematographersXX geht es um die Sichtbarkeit von Kamerafrauen und ihrer Arbeit. Sie arbeiten eng mit dem Berufsverband Kamera, kurz BVK, zusammen. Zwei Mitglieder von CinematographersXX sind auch im Vorstand des BVK. Katja Rivas Pinzon sagte, dass Kamerafrauen zurzeit 43 Prozent des Einkommens eines Kameramannes verdienen.

Simone Stewens vertrat die internationale filmschule köln (ifs). Gemeinsam mit einem Zusammenschluss aller deutschen Filmhochschulen brachte die ifs das Allgemeine Hochschulpapier heraus. Stewens sagte, dass die Studierendenzahl in Bezug auf die Geschlechter annähernd ausgeglichen sei, aber wenn man sich im aktiven Beruf umsehe, stelle man fest: „Moment mal – Alles Typen!“ Um dem entgegen zu wirken, wurde an der internationalen filmschule köln beispielsweise ein Kurs eingeführt, der sich „Fucking Stereotypes“ nennt. Im Gespräch sei aktuell auch ein Kurs über „Genderstudies“. Ein Teil der Frauen fände es gut, dass es diese Kurse gibt und darauf aufmerksam gemacht wird, ein Teil frage sich, warum das nötig sei, während Männer zumeist genervt reagieren würden. „Genderequality ist Überzeugungsarbeit – sogar bei Frauen!“ In einem Katalog führt die internationale filmschule köln 16 Punkte, unter anderem gleiches Gehalt oder die Vereinbarkeit von Studium oder Arbeit mit Kind. Stewens betonte, Gender sei als ein Teil von Diversität zu verstehen und somit genauso wichtig wie Barrierefreiheit oder Diskriminierungsfreiheit.

Die Diskussion Some like it equal – Gendergerechtigkeit in der Filmbranche erfreute sich reger Zuschauerbeteiligung. Diskutiert wurde beispielweise, wie das Filmförderungssystem zu revolutionieren sei, damit von Frauen gemachte Filme nicht länger weniger Geld erhalten. Außerdem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Frauen oft nicht an die großen Produktionsfirmen herankommen. Ein besonderes Problem seien hierbei die Fernsehredaktionen.

Ein Vorschlag aus dem Publikum hierzu war, die Filmanträge zu anonymisieren, sodass aus dem Antrag nicht ersichtlich sei, ob es ein von Frauen oder von Männern gemachter Film sei. Die Gäste der Diskussion erklärten aber, dass das nicht umsetzbar sei. Die Prüfer der Anträge werfen auch einen Blick auf die bisherigen Filme als Referenz. Da ihnen die Macher der meisten Filme namentlich bekannt sind, funktioniert die Anonymität folglich nicht.

Auf eine weiteres mögliches Problem verwies eine Stimme aus dem Publikum: Wissensendungen für Kinder würden fast immer von Männern moderiert, so der Hinweis. Ein mögliches Zeichen für die Benutzung von Stereotypen nach dem Motto „Männer wissen, wie es geht“? Das Problem sei, dass man dieses Klischee Kindern bereits von klein auf vorlebe. Der Vorschlag aus dem Publikum frei nach dem Motto „If she can see it she can be it“ plädierte für mehr Frauen in Kindersendungen, um weibliche Vorbilder zu schaffen.

Silke Räbiger schloss die Diskussion mit den Worten, sie hoffe, die Projekte der drei Gäste fänden konstant weitere Leser und Mitglieder, um der Welt zu sagen: „Hallo, hier sind wir. Und wir sind viele!“

Von Jana Barina

Fotos: Guido Schiefer

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