Festival-Schnipsel – Hintergründiges zu Filmen und Wettbewerben

Wie kam Joya Thome auf die Idee, ihren Platz im Berufsleben in einem Regiestuhl zu suchen? Wie landet eine Achtjährige in einer Weltraummission? Und was versucht die 25-jährige María José, Protagonistin des Wettbewerbsbeitrags Medea, zu verbergen? Antworten auf diese und andere Fragen gab es bei der Pressekonferenz vor der Festivaleröffnung.

Mit Königin von Niendorf präsentiert die junge Regisseurin Joya Thome auf diesem Festival ihren Debütfilm, bei dem sie nicht nur Regie geführt, sondern auch am Drehbuch mitgeschrieben und den Film selbst produziert hat. Königin von Niendorf war sogar in der Vorauswahl für den deutschen Filmpreis. Die 1990 geborene Berlinerin studiert – ganz untypisch – Erziehungs- und Sozialwissenschaften. Aber sie habe schon sehr früh gewusst, dass sie Filme machen wolle. Ganz wie ihr Vater Rudolf Thome, in dessen Filmen sie selbst schon mitgespielt hat. Königin von Niendorf handelt von einem jungen Mädchen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Joya erzählt, dass die Hauptrolle der Lea ganz auf die Schauspielerin Lisa Moell zugeschnitten wurde. Hier findet ihr einen ausführlichen Blogbeitrag  zum Film. Als nächstes reist Joya Thome nach Norwegen, um ihren Film dort vorzustellen.

Auch der schwedische Regisseur Petter Lennstrand zeigt auf dem IFFF einen Kinderfilm. „Schraube Locker“ heißt er und handelt ebenfalls von einem jungen Mädchen auf Identitätssuche. Die achtjährige Pottan landet in ihren Ferien statt in einem Ponycamp auf einem Recyclinghof mit sehr skurrilen Bewohnern. Dort wird sie jedoch schnell aufgenommen – und bald ist sie Teil einer geheimen Weltraummission. Lennstrand sieht seine Protagonistin als Lotsin für die kleinen Zuschauer. Sie soll ihnen einen Weg zeigen, mit der Frage nach der eigenen Identität umzugehen und das eigene Ich zu finden. Als Familienmensch, sagt er, liege ihm dieses Thema sehr am Herzen, denn es betreffe ja auch seine eigenen Kinder.

Der Film Medea handelt von einer jungen Frau, die ein Recht unspektakuläres Leben führt. Uni, Rugbytraining und eine eher distanzierte Beziehung zu ihren Eltern füllen ihr Leben. Doch die 25-jährige María José hat ein Geheimnis: Sie ist schwanger. Sie beginnt, sich in ihrem Körper mehr und mehr unwohl zu fühlen, und keiner scheint sich um ihre Situation wirklich zu kümmern. Der Film setzt sich mit einen absoluten Tabuthema in Costa Rica auseinander, dem Land, in dem der Film spielt. Denn dort sind Abtreibungen, wie in den meisten Ländern Südamerikas verboten. Auch in dem Heimatland der Produzentin Cynthia Garcia Calvo Argentinien. Es ist ein Thema, das die Gesellschaft spaltet, weshalb die Premiere des Filmes in Costa Rica schon im Voraus für große Erwartungen und Diskussionen sorge, berichtet Calvo. Cynthia Calvo setzt sich auch neben dem Internationalen Frauenfilmfestival viel für die Frauen in der Filmbranche ein. Sie sagt, es sei wichtig, dass auch der Blickwinkel der Frauen gezeigt werde und vor allem, dass Frauen ihre Geschichten selbst erzählen.

Die österreichische Schauspielerin Ursula Strauss, die in vielen Filmen und Theaterstücken mitgespielt und schon viermal den österreichischen Film- und Fernsehpreis Romy verliehen bekommen hat, sitzt in diesem Jahr in der Jury des Filmfestivals. Außerdem gestaltet sie am Sonntag um 15 Uhr die szenische Lesung Heim im Alten Pfandhaus. Dort liest Ursula Strauss aus dem Drehbuch der Fernsehserie Heim, die noch nicht produziert worden ist. Darin geht es um eine Asylbewerberunterkunft, die Menschen, die dort wohnen und den Verdacht auf einen Terroranschlag. Ihrer Rolle als Jurorin sieht Ursula Strauss gespannt entgegen, sie freue sich auf die Diskussionen und die Details, das werde richtige Präzisionsarbeit. „Film als Kunstform ist wichtig, weil er etwas verändern kann.“

 

Von Sophia Meyer

Bild: Guido Schiefer

 

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