„Queerama“: Eine Collage der homosexuellen Filmgeschichte

„Man kann Homosexualität heilen. Es kommt aber darauf an, wie früh der Schaden angerichtet wurde.“ Solche Aussagen sind seltener geworden, bis zur Homo-Ehe war es ein weiter Weg. Queerama präsentiert dem Zuschauer Filmaufnahmen von den 20ern bis heute, die sich mit Homosexualität beschäftigen – ein beeindruckendes Panorama über ein Jahrhundert voller Veränderungen.

Der britische Dokumentarfilm Queerama startet mit der Erwähnung von bekannten homosexuellen Personen unserer Geschichte wie zum Beispiel Plato, Alexander dem Großen oder verschiedenen Herrschern von Großbritannien.

Dann widmet sich die Doku der Thematisierung von Homosexualität im Film. Dabei handelt es sich augenscheinlich zum Teil um Spielfilme, aber auch Dokumentationen, Nachrichten und weitere Formate. Teilweise wurden Ausschnitte aus verschiedenen Filmen zu einer kleinen Geschichte zusammengeschnitten, teils sind sie thematisch passend aneinandergereiht. Ab und an werden die Bilder durch Einblendungen geschichtlich bedeutender Daten unterbrochen.

Im Film werden verschiedenste Unterthemen aufgegriffen. Der Großteil der Schwarz-Weiß-Ausschnitte befasst sich mit dem geheimen Doppelleben, dem einsamen Leben oder dem Ausnahmefall: dem Leben zu zweit – damals noch sehr kritisch beäugt. Sehr interessant sind Interviews mit Homosexuellen innerhalb des alten Filmmaterials. Die Gesichter der Personen bleiben während des Interviews im Dunkeln verborgen – eine damals nötige Schutzmaßnahme. Der Moderator befragt sie zum Beispiel, ob sie sich wünschen, heterosexuell zu sein. Die Antworten der Befragten sind gespalten. Einige wünschen sich genau das und begründen es durch Aussagen wie: „Als Hetero hat man es in dieser Welt leichter.“ oder „Ich möchte meiner Familie nicht länger Schande machen.“ Andere halten an ihrer sexuellen Identität fest und antworten: „Das ist ein Teil von mir. Das macht mich aus!“

Natürlich sind auch Ausschnitte aus Farbfilmen vertreten. Hier wird gezeigt, wie die  Umwelt auf Homosexualität reagiert: beispielsweise ein Lehrer, der zwei Jungs im Besenschrank erwischt. Auf dem Gesicht des Lehrers spiegelt sich eine Mischung aus Entrüstung und Wut, während die beiden Jungs ihn aus schreckgeweitetem Augen anblicken. Der Zuschauer kann richtig sehen, dass die beiden sich verzweifelt fragen, was jetzt mit ihnen geschehen wird. In Interviews werden homosexuelle Personen gefragt, wie der Sex funktioniere. Die Antworten gehen fast alle in dieselbe Richtung: „Es ist nicht anders. Es ist die Vereinigung mit einem Menschen, den man liebt.“

Weiterhin behandelt Queerama die Entkriminalisierung von Homosexualität, zunächst ab der Altersgrenze von 21 Jahren, später auch für Jüngere. Über die massive Ausbreitung von AIDS in den  80er-Jahren werden einige Ausschnitte gezeigt, ebenso verschiedene Paraden für die Gleichheitsrechte, die mit der Zeit immer bunter werden.  Nach und nach ebnet sich der Weg bis hin zur gleichgeschlechtlichen Ehe.

Daisy Asquith ist mit Queerama ein fantastisches, geschichtlich wertvolles Meisterwerk gelungen. Obwohl es „nur“ zusammengeschnittene Szenen verschiedenster Filmausschnitte sind, folgt Queerama einem Erzählstrang mit rotem Faden. Die wechselnde Bildqualität ist hierbei nicht störend, sondern untermalt das Konzept und die Ausarbeitung des Films. Die Schnitte sind sauber und gut aneinandergereiht, sodass keine ungewollten Pausen entstehen und die Handlung gleichzeitig nicht zu hektisch ist. Auch musikalisch überzeugt der Film. Die Texte der Lieder sind klar verständlich und passen perfekt zum jeweiligen Thema oder Gemütszustand der gezeigten Person. Asquith selbst sagt zu ihrem Film: „Der Mut und der Stolz der Beteiligten ist außergewöhnlich. Sie haben sich noch vor der Dekriminalisierung geoutet und waren offen verliebt.“ Hier findet ihr den Trailer zu Queerama.

Die Festivalwelt ist klein. So zeigten sich bei Queerama zwei bereits bekannte Personen: Caro (auf dem Bild links) und Karen von The Queer L-Vlog, der am  26.4. beim IFFF vorgestellt wurde (siehe unser Beitrag Queer vernetzt in Bild und Ton). Beiden gefiel Queerama sehr gut.

Von Jana Barina

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