„Violenty Happy“: Nichts für zart Besaitete

„Bungee-Jumping ist gefährlicher als SM“, sagt Felix Ruckert im Dokumentarfilm Violently Happy. Der Film, für den Paola Calvo mit dem IFFF-Preis für die beste Bildgestaltung ausgezeichnet wurde, porträtiert ihn und sein Projekt „Schwelle 7“, einen Ort, wo sich Menschen bis 2016 treffen konnten, um extreme körperliche und sexuelle Erfahrungen zu machen.

Violently Happy beginnt mit Atemübungen, die eine Gruppe unter Anleitung von Felix Ruckert im „Schwelle 7“ durchführt. Zu seichter Musik schwenkt die Kamera durch den Raum und beleuchtet dabei sowohl Alltagsgegenstände wie Jacken als auch Instrumente zum Fesseln und Schlagen. Nach den auflockernden Atemübungen tropfen die Teilnehmer sich bei gedämpftem Licht gegenseitig Kerzenwachs über die Körper.

SM wird im Film als Kunstform beleuchtet, ohne dabei die Gewalt zu verbergen. „Man kann nicht sagen, SM sei keine Gewalt“, sagt auch Ruckert. Doch damit ließe sich „eine komplett neue Realität konstruieren“. Es sei nicht erotische Kunst, sonst Erotik als Kunst, wobei es nicht um Schmerz ginge, sondern um Intensität und vor allem auch darum, Grenzen zu überwinden. Er selbst verbindet im „Schwelle 7“ SM mit Entspannung, Tanz, aber auch mit Backen. Obwohl einige dieser Dinge auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, schaffen sie ein ganzheitliches Konzept in seinem Raum, der ihm gleichzeitig zum Leben und Arbeiten dient.

Eine weitere interessante Protagonistin ist Mara Morgen, die anschaulich ihren Werdegang vom „normalen“ Job in die erotische Berufswelt beschreibt: „Unsere Begegnungen leben von wacher Sinnlichkeit. BDSM ist für mich Intensität und lustvolle Intimität.“ In Zusammenarbeit mit Felix Ruckert zeigt auch sie im „Schwelle 7“ ihre dominante, aber auch ihre submissive Seite.

Paola Calvo ist mit Violently Happy ein Einblick in eine Welt gelungen, die für die meisten Menschen fremd ist. Nicht explizit pornografisch oder explizit voyeuristisch, aber auf jeden Fall explizit! Kameraführung und Ton sind einmalig gut. Der Zuschauer kommt den Protagonisten und Kursteilnehmern ganz nah, ohne sie jedoch in ihrer Intimität zu stören. Sie verhalten sich außerhalb von Interviews wirklich alle so, als sei die Kamera nicht da. Als Zuschauer fühlt man sich dementsprechend, als hätte man einen geheimen Seh- und Lauschposten: Niemand sieht einen, aber man bekommt alles ungefiltert mit. Genau über Letzteres muss man sich aber auch im Klaren sein, denn ungefiltert bedeutet in dem Fall auch, dass nichts versteckt wird: keine Striemen und Blessuren nach einer erfolgten SM-Session und auch kein Blut. Für zart Besaitete ist der Film deshalb nicht empfehlenswert. Aber für alle, die Darstellung und Inszenierung nackter Körper nicht fürchten, die sich darauf einlassen können, das Körperliche nicht nur vordergründig wahrzunehmen und darüber einen tiefen Einblick diese „andere Welt“ kennenlernen möchten, ist der Film ein absolutes Muss! Hier ist der Trailer für Violently Happy für euch.

Von Jana Barina

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